Kundgebung der Migrantifa am 12.11.2025 vor dem Stadthaus im Scharnhauser Park

Migrantifa rally on November 12, 2025, in front of the town hall in Scharnhauser Park

Text der Enkelin Sara von Sadri Berisha, die von einer Teilnehmerin verlesen wurde:

 

Mein Großvater, Sadri Berisha, war ein aufrichtiger und gewissenhafter
Arbeiter aus dem Kosovo.
Er verließ seine Familie in einer schwierigen Zeit, um nach Deutschland
zu kommen, in der Hoffnung, ihnen ein besseres Leben ermöglichen zu
können.
Doch dieser Traum wurde auf tragischste Weise beendet – durch Hände,
die von Hass geleitet wurden.
In einer Sommernacht verwandelte sich seine Reise in eine Tragödie!
Sadri war als liebevoller, fröhlicher und großzügiger Mann bekannt,
doch sein Schicksal war das tragische Gegenteil. In der Nacht des 8. Juli
1992 wurde er im Schlaf von einer Gruppe rassistisch motivierter
Menschen zweimal mit einem Baseballschläger auf den Kopf
geschlagen.
Was diese Wunde noch schmerzlicher macht, ist das darauffolgende
Schweigen.
Seit jener tragischen Nacht hat unsere Familie keinerlei offizielle
Mitteilung von den deutschen Behörden erhalten.
Wir haben weder eine Todesbenachrichtigung noch eine Vorladung vor
Gericht oder gar ein Beileidswort vom deutschen Staat erhalten.
Und dieses Schweigen ist eine anhaltende Ungerechtigkeit. Dieses
Schweigen ist für uns Teil des Schmerzes geworden.
Sadri Berisha verdient es, in Erinnerung zu bleiben!
Er verdient ein Denkmal nicht nur für sich selbst, sondern für all jene,
die Hass, Rassismus und Gewalt erleiden mussten, nur weil sie ein
besseres Leben suchten.
Heute, durch euch, die ihr hier seid, kann seine Stimme gehört werden.
Die Forderung nach einem Denkmal für Sadri Berisha ist nicht nur eine
Forderung nach Steinen und einem Namen.
Es ist eine Forderung nach Gerechtigkeit, nach der Anerkennung der
Wahrheit und nach der Menschlichkeit, die niemals fehlen darf!
Heute ist die Forderung nach einem Denkmal für Sadri Berisha mehr als
eine Familienehrung.
Wir danken allen, die heute mit Würde das Andenken an Sadri Berisha
bewahren, den Organisatoren, den Bürgerinnen und Bürgern, die diese
Initiative unterstützen, und allen, die Transparenz und Gerechtigkeit
fordern.
Unsere Familie hofft, dass die deutschen Institutionen konkrete Schritte
unternehmen werden.
Unser Ehemann, Vater und Großvater Sadri wird die Gesellschaft daran erinnern,

dass kein Leben „fremd“ ist, solange es menschlich ist, und dass rassistische

Gewalt niemals zu rechtfertigen ist.
Wir bitten darum, dass seine Geschichte nicht länger verschwiegen wird,
sondern als Lehre und Warnung dient, damit sich solche Ereignisse nie
wiederholen.
Im Namen der Familie Berisha möchte ich allen, die sich für diese Sache
engagieren, den Organisatoren und den Bürgern, die den Bau einer
Gedenkstätte unterstützen, meinen tief empfundenen Dank aussprechen.
Wir hoffen außerdem, dass die zuständigen Stellen den angemessenen
Weg finden, um die Errichtung einer Gedenkstätte für unseren geliebten
Verstorbenen zu ermöglichen. Und dass dies alles auf friedliche und
dialogische Weise geschieht! Wir bitten die zuständigen Behörden um
Verständnis.

Vielen Dank!

 

Text by Sadri Berisha's granddaughter Sara Berisha, read aloud by a participant:

 

My grandfather, Sadri Berisha, was an honest and conscientious

worker from Kosovo.

He left his family during a difficult time to come to Germany

in the hope of providing them with a better life.

But this dream was ended in the most tragic way—by hands

guided by hatred.

On a summer night, his journey turned into a tragedy!

Sadri was known as a loving, cheerful, and generous man,

but his fate was the tragic opposite. On the night of July 8,

1992, he was struck twice on the head with a baseball bat

while he slept by a group of racially motivated

people.

What makes this wound even more painful is the ensuing

silence.

Since that tragic night, our family has received no official

communication from the German authorities.

We have received neither a death notice nor a summons to

court, nor even a word of condolence from the German state.

And this silence is a continuing injustice. This

silence has become part of our pain.

Sadri Berisha deserves to be remembered!

He deserves a memorial not only for himself, but for all those

who have suffered hatred, racism, and violence simply because they were

seeking a better life.

Today, through you who are here, his voice can be heard.

The demand for a memorial to Sadri Berisha is not just a

demand for stones and a name.

It is a demand for justice, for recognition of the

truth and for humanity, which must never be lacking!

Today, the demand for a memorial to Sadri Berisha is more than

a family tribute.

We thank everyone who today preserves the memory of Sadri Berisha with dignity,

 the organizers, the citizens who support this

initiative, and all those who demand transparency and justice.

Our family hopes that the German institutions will take concrete steps.

Our husband, father, and grandfather Sadri will remind society that

no life is “foreign” as long as it is human, and that racist

violence can never be justified.

We ask that his story no longer be silenced,

but rather serve as a lesson and a warning so that such events never

happen again.

On behalf of the Berisha family, I would like to express my heartfelt thanks to all those who are committed to this cause,

 the organizers, and the citizens who support the construction of a

memorial.

We also hope that the relevant authorities will find an appropriate

way to enable the construction of a memorial for our beloved

deceased. And that all this will happen in a peaceful and

dialogical manner! We ask the relevant authorities for their

 

understanding.

Thank you very much!