Als „Hommage an den Kreis“ hinterlassen kinetische Zeichen- und Radiermaschinen kreisrunde Spuren. Im Laufe der Ausstellung entstehen Kreiszeichen aus Linien oder fast unsichtbaren Radierspuren. Durch z.T. extrem langsame Drehbewegung und die Repetition haben die Arbeiten etwas Rhythmisches, Meditatives. Sie evozieren Assoziationen an das Fließen der Zeit, an Geschichte: Spuren werden hinterlassen oder verwischt.

In der Assoziation von Zielscheiben liegt das „Ziel“ (telos) im philosophischen und existentiellen Sinn, auch von Konzentration auf ein Zentrum hin - Bezüge zu den Stufen der Mandalaform entstehen. Kreise sind Zeichen für Harmonie und Geschlossenheit.

 

Verschiedene Erinnerungen werden geweckt: ringförmig sich ausbreitende Wellen, nachdem ein Gegenstand ins Wasser geworfen wurde, Jahresringe an Bäumen mit der Vorstellung von Wachstum, Zeit, Lebenszyklen, Entwicklungsphasen. Schließlich auch das Bedeutungsfeld „Rad“ und „Uhr“ mit Vorstellungen von Drehung, Überwindung von Distanzen, aber auch Wiederholung, Wiederkehr, Vergänglichkeit. Nicht zuletzt liegt eine planetarische Dimension auf der Hand. Was auf der Erde scheinbar linear aussieht, ist über die Erdkugel gesehen auch wieder ein Kreis, hier eingefangen in einer menschlich fassbaren Dimension.

 

Das Hinterlassen von Spuren ebenso wie das Auslöschen verursacht je eigene Geräusche, Energie und Kraft sind zur Überwindung der Reibwiderstände erforderlich – diese Prozesshaftigkeit ist elemantar für Illis Arbeiten, der Betrachter kann das Entstehen der „Zeichnung“ verfolgen.

Illis Arbeit changiert zwischen Unendlichkeitszeichen und Endlichkeit der Prozesse.

 

„...ein Wischen dort, ein Tasten auch und ein Linien produzierendes Scharren. Weg oder hin? Wenn Objekte zeichnen, ist dies nicht eben einfach zu klären. Von "prozesshaften Leerstellen" spricht die Klaus-Illi-Rezeption, um zugleich auf die Neubesetzungen von Flächen und Räumen durch Illis Objekte zu verweisen. Jedes Verwischen ist auch eine Spur, das Prinzip des Gegenspiels, der Gegenbewegung, wie sie für Illis pneumatischen Objekte kennzeichnend ist, konkretisiert sich im Widerstreit von Verdrängen und Wissen Wollen, Von Entstauben und Wegwischen, von provozierter Leere und erreichter Fülle. Dies umso mehr, als Illi seine Mittel offenlegt, Werkzeug und Objekt oft genug identisch sind. Kunst nicht als Behauptung, sondern als Wahrnehmung, die ihrerseits Wahrnehmung fordert - weniger eines Ergebnisses als des Geschehens an sich...

 

aus: Nikolai Forstbauer „Neue Arbeit“, Katalogtext zur Installation „NEU“ im historischen Kontext der ehemaligen Mühlsteinfabrik J.G. Dettinger, Plochingen, 2001

 

Darf man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen, wie Camus schreibt? Der Gedanke erscheint verwegen. Ist es die provozierende Idee eines Intellektuellen im Elfenbeinturm, der die Qual der physischen Arbeit nicht kennt?

Illis Arbeit ist eine klare Bejahrung von Camus' Diktum. Sisyphos' ewige Höllenqual ist für ihn ein positves Bild menschlichen Lebens. Nur schade, dass er noch keine maschinelle Hilfe hatte...

 

Der Diskurs von Arbeit und Maschine interessieren Illi. Die "Arbeitmaschine" (ein "objet trouvé) thematisiert sich selbst. Der Diskus ist auch im 21 Jahrhundert nicht obsolet und tangiert unsere Vorstellungen von Freiheit und Befreiung ebenso wie das Thema Zeit. Gibt uns die Maschine mehr Zeit, mehr Freiheit, oder ist womöglich genau das Gegenteil der Fall? Muss man den Erlösungsgedanken aufgeben?

Das Thema Sisyphos ist jedenfalls noch längst nicht erledigt, im Gegenteil: es ist höchst aktuell.

 

Zeichenmaschine (Remise der Ehemaligen Mühlsteinfabrik J.G. Dettinger, Plochingen, 2001)
Zeichenmaschine (Remise der Ehemaligen Mühlsteinfabrik J.G. Dettinger, Plochingen, 2001)
Zeichenmaschine (dreht sich in 24 Stunden ein Mal)
Zeichenmaschine (dreht sich in 24 Stunden ein Mal)
Radiermaschine
Radiermaschine
Zeichenmaschine („Con Sequenzen“, Galerie der Künstler, München, 2001)
Zeichenmaschine („Con Sequenzen“, Galerie der Künstler, München, 2001)
"Sisyphosmaschine", 2013
"Sisyphosmaschine", 2013
"Sisyphosmaschine", 2013
"Sisyphosmaschine", 2013
Arbeitsmaschine („Fotografie als Handlung - Photographie as Concept“, 4. Internationale Fototriennale, Esslingen, 1998)
Arbeitsmaschine („Fotografie als Handlung - Photographie as Concept“, 4. Internationale Fototriennale, Esslingen, 1998)

Link to Video "Arbeitsmaschine" / "Working Machine" on Youtube

After viewing the video on Youtube, return to this website by clicking the   ("one page back arrow" left of browser window).

Dort bei Youtube unter "Mehr Anzeigen" auch ein Text zu Arbeitsmaschine.

Das Gerät präsentiert 12 Aspekte von Arbeit, diese werden unter ziemlich absurdem Aufwand in einem kleinen Handguckkasten (Gucki) gezeigt. Das Gerät ist ein "objet trouvé", das lediglich überarbeitet werden musste.

Arbeit ist Leben (Urkunde für Jubilare, Fa. Dick, Esslingen)
Arbeit ist Leben (Urkunde für Jubilare, Fa. Dick, Esslingen)
Unterseite von Rosenthal-Teller
Unterseite von Rosenthal-Teller
Eingangstür zum KZ Sachsenhausen
Eingangstür zum KZ Sachsenhausen
Buchtitel von Jeremy Rifkin
Buchtitel von Jeremy Rifkin
Automobilfertigung um 1904 (Daimler)
Automobilfertigung um 1904 (Daimler)
Zeitgenössische Automobilfertigung (Einsatz von Schweißrobotern)
Zeitgenössische Automobilfertigung (Einsatz von Schweißrobotern)
Physikalische Definition von "Arbeit" (Schulischer Merksatz)
Physikalische Definition von "Arbeit" (Schulischer Merksatz)
Perpetuum Mobile (Ulrich von Cranach 1664)
Perpetuum Mobile (Ulrich von Cranach 1664)
Völklinger Hütte (heute UNESCO-Weltkulturerbe)
Völklinger Hütte (heute UNESCO-Weltkulturerbe)
Ausspruch von Karl Valentin zum Zusammenhang von Kunst, Schönheit  und Arbeit)
Ausspruch von Karl Valentin zum Zusammenhang von Kunst, Schönheit und Arbeit)