Bitte rechts eine Ausstellung auswählen:  / please select a exhibition at right:

 

Lichtarbeiten entstanden zunächst im Zusammenhang mit den Atemarbeiten. "Atem" verstanden auch als Erkenntnisform, die sich im Begriff "Inspiration", also im Einatmen spiegelt. Erkennen + Einatmen sind existentiellste Vorgänge, die etymologisch gekoppelt sind. Prozesse des langsamen Auf- und Abdimmens oder der langsamen Fokussierung, der Schärfe und Unschärfe korrespondieren mit dem Zyklus des Atems. Hyperventilation als spezifische Erkenntnisweise kann mit Hypermnäsie verglichen werden, bis hin zur Blendung. Die Janusköpfigkeit  der Blendung führt von der "übergenauen Erkennnis" in die schmerzhafte "Nichterkenntnis". Im Erfassen unserer Erkenntnis- und Wahrnehmungsgrenzen berühren sich die Antipoden Licht und Dunkelheit.

 

Suchmaschine, 2015, Steuerung, Schrittmotoren, Scanner, LED Scheinwerfer, Höhe 220cm

Search Engine, 2015, logic control, step motors, scanner, LED searchlight, hights 86 ⅝"

 

Siehe mehr Fotos zur "Suchmaschine" / See more photos about the 'Search Engine' 

 

Städtische Galerie Meiningen, 2015 - 2016 / City Gallery Meiningen, 2015 - 2016 

Ein Lichtstrahl erfasst den eintretenden Besucher, heftet sich an seine Fersen, leuchtet ihn ab, blendet ihn.

Der Besucher ist nach einer Blendung möglicherweise kurz in seiner Orientierung verunsichert und muss zwischen Verblendung und Erleuchtung seinen Weg finden. 

A light beam catches the entering visitor and follows him, enlights him from bottom to top, dazzles him. The viewer might get unsure in his orientation and has to find his way between blindness and enlightenment.

Siehe Video "Suchmaschine" / See Video 'Search Engine'

 

"Alles Licht", Städtische Galerie Meiningen, 2015 / 2016

"Scheinheilig" (drei "Heiligenscheine" Ø 20, 30 und 40cm, 2015 und drei Grazien)

'Hypocritical' (three 'halos', diameter 7 ⅞, 11 ¾, 15 ¾", 2015, with three graces)

 

Selbsterkenntnis ist lustig?  Self-knowledge is funny?

 

„Scheinheilig“

2015, kreisförmige Leuchtstoffröhren,  Ø 20, 30 und 40cm

 

Scheinheiligkeit ist am Leichtesten bei Geistlichen, Politikern und Vorgesetzten auszumachen, also bei solchen Personen, die eigentlich Vorbilder sein sollten. Doch man findet sie auch bei vielen Normalbürgern, am Ehesten bei Anderen. Die eigene Scheinheiligkeit ist bekanntermaßen am Schwersten zu erkennen.

Die heiligen Scheine könnten auch schlicht als Beleuchtungskörper verwendet werden – warum nicht das Schöne mit dem Nützlichen verbinden? Vielleicht lässt sich Scheinheiligkeit durch Helligkeit besser erkennen?

 

'Hypocritical halo'

2015, flourescent round tubes, diameter 7 ⅞, 11 ¾, 15 ¾"

The Geman title plays with the word 'halo' (= 'Heiligenschein', literally 'holy shine', but with a little twist of the word the meaning is switched to 'Scheinheilig', which is not only 'shine holy', but also 'seeming holy' - according to the double meaning of 'Schein', which is 'shine" as well as 'seeming').

"Scheinheilig", work in progress, 2015 (studio view)

"Scheinheilig", work in progress, 2015 (studio view)

Projektion "Der Berghof" (Postkarte Alice Licht) im offenen Kamin der "ältesten Küche Ulms" (die Küche wird auf das Jahr 1563 datiert).

Ausstellung "Relativ Schön", Kunststiftung Pro Arte, 2004 .

Der Küchenraum ist klein und dunkel, der Eingang niedrig, der Boden uneben. Verirrt sich ein Besucher in dieses Räumchen, so blitzt unerwartet die kleine Projektion auf und eine Projektionssequenz läuft ab, danach wird der Betrachter wieder in die Dunkelheit entlassen. Bei der Projektion verschwindet das Bild zunehmend im Hintergrund, der bestehen bleibt. Bild und Bildgrund gehen eine Einheit ein. Es gibt verschiedene Projektionsmodi, z.B. auch ein Verdunkeln und ein wieder Auftauchen aus dem Dunkel. Verschiedene Formen des Erinnerns und Vergessens könnten damit assoziiert werden.

Details zum Bildmotiv siehe "Agnosie"

 

Projiziert wird die Postkarte Alice Licht vom 16. Mai 1944 an die Blindenwerkstatt Otto Weidt, während des Transports nach Auschwitz-Birkenau aus dem Zug geworfen mit der Aufschrift auf der Bildseite: "Finder wird gebeten, Karte in Briefkasten zu stecken. Vielen Dank!", bei der Adresse mit dem Vermerk "Strafporto zahlt Empfänger". Die Postkarte kam an!

Luftgeschaeften, 2005, mit Uri Sigal-Galkin, Stadthaus Ulm

Installation auf dem Dach des Stadthauses anlässlich der Ausstellung „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal genannt”

 

Luftgeschaeften“ ist ein Begriff, der nicht nur uns bekannt, sondern auch in Israel als jiddischer Begriff in alltäglicher Verwendung ist, z.B. für Schwätzer oder als Titulierung für wenig Ernsthaftes, auf das man sich nicht verlassen kann, auf nichts Seriöses. Für uns ist es ein schillernder Begriff, mit Luftnummer und Luftbuchung verwandt, etwas Sinnloses, wo nichts dabei herauskommt, auch mit einer Neigung zur Trickserei und Betrug – laut Duden ein „vorgetäuschtes, fingiertes Geschäft“.

In Bezugnahme auf ihre Installation im Rahmen der Mesmer-Ausstellung sind die Anspielungen von Illi + Galkin vieldeutig: einerseits auf den ökonomischen Wahnsinn des Künstlers und die Brotlosigkeit von Kunst; andererseits bezieht sich der Titel auf den häufig belächelnden Blick auf die scheinbar nutzlose, ja bisweilen närrische Tätigkeit des Künstler.

Luftgeschaeften“ könnte aber auch den Künstler-Blick auf das wahnhafte Treiben oder Getriebensein des Konsumenten ausdrücken. Durchaus selbstironisch sprechen Illi + Galkin deshalb gern von ihren Luftgeschaeften, der Bezug zu Gustav Mesmers verrückt-magischer Flugwelt liegt auf der Hand.

Über dem Münsterplatz vor der monumentalen Kulisse des Ulmer Münsters schwebt ein eigentümliches Flugobjekt auf Drahtseilen hin und her. Zwei von Galkins PVC-Puppen halten an einer Querstange Balance, zwei weitere drehen sich im Zentrum im Kreis, jeweils ein weißes Suchlicht nach unten werfend. Rundum läuft ein rotes Lauflicht und bildet einen Lichterkranz, der besondes Nachts das Richard Mayer-Weiß der Stadthauses in rotes, alarmierendes und rotierendes Licht taucht.

 

See also "Collaboration Uri Sigal Galkin"

 

"Flieger" mit Uri Sigal-Galkin, Krafftscher Innenhof, Blaue Nacht Nürnberg vom 7. auf 8. Mai 2005

"Bodenpersonal"  mit Uri Sigal-Galkin, Krafftscher Innenhof, Blaue Nacht Nürnberg vom 7. auf 8. Mai 2005

 

„… Mancher Beitrag wies Documentaqualität auf, so die luftige Installation von Klaus Illi und Uri Sigal-Galkin. Eine skurrile Armada aus schwebenden Plastikpuppen um „Nimrod Isch Schalom“, dem mit motorischen Kräften versehenen „Friedensmann. Kontrastiert mit „Der Schande von Nürnberg“, die am 8. Mai vor 60 Jahren ein Ende hatte. ...“


Kunstgenuß nahe null Grad“, von Peter Schmitt, Süddeutsche Zeitung, 9.5.2005, über die 6. „Blaue Nacht“ in Nürnberg


More about this exhibition see "Collaboration Uri Sigal-Galkin"

LuftgartenLustgarten, 2006, Kunstmuseum Heidenheim (mit Bettina Bürkle)

Diese roten Knospen "atmen", füllen sich mit Luft, steigen empor bis zur prallen Fülle, sinken ab flach auf den Boden, um sich erneut zu erheben. Analog zum Prozess des Füllens und Leerens dimmen die LEDs auf und ab und stellen so einen Bezug zur Photosynthese her.

Blindreflex, 2003, with Inga fonar Cocos, Museum Ein Harod, Israel

"Scham (Judensau)" / Shame (Jewpig), Photography, red Laserdot, 30x40cm, 2003

Quite far up high, a black+white photography can be perceived (the center is 2.66m high up). Strangely, a red dot (may be 2cm in diameter) can be seen. The dot is “active”, if not aggressive, the light spot consits of small sparkling dots which seem to move – an uncomfortable spot. The red dot is caused by a laser beam.

This dot "eliminates" or points at a part of the photography which cannot be recognized. It is an image of a gothic church, the church where Marthin Luther was preaching in Wittenberg, Germany. The “invisible” detail is the socalled "Judensau" (jewpig), a medieval reliev on the church fassade from the 13thcentury. The "jewpig" on the fassade is approx 6-8m high up and corresponds with the highly mounted photo. The dot “eliminates” this sore-spot, on the other hand it draws attention to it.

 

"Scham (Judensau)", Fotografie, roter Laserpunkt, 30x40cm, 2003

Recht hoch oben, deutlich über Kopfhöhe, entdeckt man eine schwarz-weiß-Fotografie (Bildmitte in 2,66 m Höhe) . Komischerweise sieht man einen aggressiv rot leuchtenden Punkt (Durchmesser etwa 2cm) – ein unangenehmer Fleck. Der rote Punkt auf dem Foto, der wie von hinten zu leuchten scheint, ist von einem gegenüberliegenden Laserstrahl hervorgerufen. Dieser rote Punkt eliminiert oder zeigt zugleich auf ein Detail des Fotos, das nicht erkannt werden kann. 

Es handelt sich um ein Foto der Stadtkirche in Wittenberg, Martin Luthers Prediktkirche. Das „beleuchtete“ bzw. „unsichtbare“ Detail im Bildmotiv ist eine sogenannte „Judensau“, ein mittelalterliches Relief an der Choraußenfassade der Kirche aus dem 13. Jhd. Es ist dort hoch oben angebracht (6-8m über Boden), die Anbringungshöhe der Fotos korrespondiert damit.
Es handelt sich hier um einen wunden Punkt, der mit dem scharfen Laserstrahl „seziert“ und untersucht bzw. hier aus Scham gleichzeitig ausgelöscht wird. Das Relief ist derart judenfeindlich, dass es nur in dieser paradoxen Weise „ansehnlich“ wird.

"Vermessung" (jüdisches Viertel, Bunker)", Fotografie 30x40cm, wandernder roter Laserpunkt, 2003

Ausstellung "unSICHTbar", 2003, zusammen mit Inga Fonar Cocos, Galerie im Heppächer, Esslingen

 

Das Foto der unterirdischen Grabungsstätte des mittelalterlichen Judenviertels Regensburgs zeigt links die Außensicht eines jüdischen Kellers, rechts die Außensicht eine Nazi-Ringbunkers aus Beton.

Die Ausgrabungen um 1995 brachten nicht nur die Keller des ehemaligen jüdischen Viertels zu Tage – die Juden wurden 1519 aus Regensburg vertrieben und die Synagoge samt dem jüdischen Viertel abgerissen. Auch ein die Ruinen umfassender Naziringbunker von 1943 ist in der Ausgrabungsstätte „document“ am Neupfarrplatz zu sehen. In der Bildmitte, am Ende der Sackgasse stoßen beide Gebäude in einer eigentümlichen Schnittstelle direkt aufeinander. Es ist ein Außenblick, der uns Heutigen nach der Abtragung des Erdreichs 1995 verbleibt.

 

"Conveying (jewish quarter, shelter)", photo 40x30cm, laser dot, 2003

The black-and-white-photo shows the subtreranean exgravation site of the medieval jewish quarter at Neupfarrplatz in the old city of Regensburg. Left the stones of a basement wall can bee seen from outside, on the right the outside of the concrete walls of a nazi ringshelter from 1943 can be perceived, since the earth has been removed 1995. The jews had been driven out of Regensburg in 1519, their synagogue and their quarter was torn down subsequently. In the middle of the image, at the end of the blind alley, both buildings meet at a strange interface. It is a view from outside, which remains to us contemporaries.

 

See more about this installation at "Collaboration Inga Fonar Cocos"

„Sie wären sowieso gestorben“ / You would have died anyway

Atemobjekt, Leuchtkasten, Röntgenbild Imre Gönczi / Breathing object, lightbox, x-ray Imre Gönczi, 2003

Ausstellung "unSICHTbar", 2003, zusammen mit Inga Fonar Cocos, Galerie im Heppächer, Esslingen


links: Das ovale Atemobjekt atmet verschiedene kleine Sequenzen, die auf unterschiedliche Weise Atemdefekte und -Anormalitäten aufweisen.

rechts: Auf dem medizinischen Leuchtkasten ist vor grellem Neonlicht eine Lungen-Röntgenaufnahme mit deutlichem Schatten auf der rechten, herznahen Lunge zu sehen. Es ist eine Röntgenaufnahme von 2002 von den Lungen des Holocaust-Überlebenden Imre Gönczi, Haifa, der nach einer Eiterinjektion ins Rippfell durch den Arzt Hans Münch in Auschwitz nur knapp dem Tod entging, aber seither Schmerzen bei jedem tiefen Atemzug hat. Imre Gönczi hatte den Mut, seinen Peiniger in dessen Villa am Starberger See zu besuchen. Der bereute nichts und meinte: „Sie wären sowieso gestorben“.

"Exit", Installation über einem früheren, jetzt zugemauerten Eingang, 2003, Kameralamt Waiblingen

Installation at a former entrance door

„Atmender Feuerbaum“, 2002, Universität Regensburg

Während sich der "Baum" erhebt und aufsteigt, dimmen analog die Lichter am Boden immer heller auf, bis der stehende "Baum" im vollen Lichtschein zu schwingen beginnt. Entsprechend werden die Lichter beim Absinken langsam dunkler, bis das Objekt unten im Dunkel zur Rohe kommt. Die verschiedenen Modi des Steigens, des Einatmens bilden sich jeweils analog in der Lichtintensität ab. Eine ganz andere Perspektive bot der Blick ins Objektinnere durch den Glasboden von unten (man konnte sich auf die schwarze Matte legen). Von einem flachen, raumlosen Rot  im ruhenden Zustand entfaltete sich bei Aufsteigen ein immer tiefer werdender roter Tunnelblick in die Höhe.

"Mehr Licht" (Atmende Brailleschrift), 80x60x20cm, Museum der Elektrizität, Hamburg, 1999

"Mehr Licht" waren angeblich Goethes letzte Worte auf dem Sterbebett. Die in dieser Braillematrix angeordneten 6 kleinen Atemobjekte "atmen" diese beiden Worte. Gleichzeitig wird die hinten in der Ecke stehende Neonröhre entsprechend immer heller.

"More Light" (Breathing Braille), Museum of Electricity, Hamburg, 1999

"More light" were supposedly Goethes last word on his deathbed. The six small breathing objects ordered according the braille matrix "breath" these two words, while the neon tube in the background gets lighter accordingly.

Arbeitsmaschine („Fotografie als Handlung - Photographie as Concept“, 4. Internationale Fototriennale, Esslingen, 1998)

 

Link to Video "Arbeitsmaschine" / "Working Machine" on Youtube

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Bei Youtube unter "Mehr Anzeigen" auch ein Text zu Arbeitsmaschine.

Das Gerät präsentiert 12 Aspekte von Arbeit, diese werden unter ziemlich absurdem Aufwand in einem kleinen Handguckkasten (Gucki) gezeigt. Das Gerät ist ein "objet trouvé", das lediglich überarbeitet werden musste.

 

See also Zeit - Maschine - Arbeit / Time - Machine - Work

Dort werden die 12 gezeigten Dias dokumentiert. 

Sehmaschine / Seeing Machine („Fotografie als Handlung - Photographie as Concept“, 4.Internat. Fototriennale Esslingen, 1998)

Die „Sehmaschine" fokussiert permanent: während einem extrem langen Objektivhub (ca. 35cm) entsteht in zwei kurzen Momenten ein scharfes Bild, ein größeres und ein kleineres; das Dia selbst kann auf dem Kopf stehend ebenfalls betrachtet werden kann, nimmt man den blendenden Blick in den Strahlengang Richtung Lichtquelle auf sich.

Die sitzende Person, die nach der langen Bewegung von Unschärfe zu Schärfe für einen Augenblick sichtbar wird, ist zwar exotisch, wurde aber nicht bei einem Abenteuerurlaub in einem fernen Kontinent aufgenommen, sondern 1844 von É. Thiesson in Paris: er hat zwei dort verweilende Botokuden aus dem Nordosten Brasiliens auf fünf Daguerreotypien festgehalten - vermutlich die ersten zu anthropologischen Zwecken aufgenommenen Fotografien. Diese Fotos regten den damaligen Präsidenten der französischen Akademie der Wissenschaften, Etienne-Renaud-Augustin Serres 1845 zu einem Vortrag vor der Akademie an, in dem er ein „photographisches Museum der Menschenrassen" forderte, das der Darstellung und dem vergleichenden Studium der Menschenrassen dienen sollte. Es sollte so viel wie möglich von dem erhalten bleiben, was aus der „Kindheit und Jugend" der Menschheit übriggeblieben war. Dieses fotografische Museum der Menschenrassen hatte das Ziel, dem Verschwinden der Naturvölker zuvorzukommen, um so wenigstens einen musealen Beleg als memento mori für die Forschung zu bewahren.

Die spezifische Prozesshaftigkeit der Projektion involviert Zeit und wirkt der Künstlichkeit von Fotografie entgegen, die üblicherweise einen winzigen Zeitausschnitt einfriert. Der Projektionsprozess erinnert jeden „Fehlsichtigen" an eigene Seherfahrungen. Fehlsichtigkeit ist die am weitesten verbreitete Zivilisationskrankheit. Die Verschlechterung des Sehens ist immer auch ein Prozess des Rückzugs aus der Welt, ein Versuch der Abwendung von der Außenwelt, eine unbewusste Leistungsverweigerung. Die psychische Dimension dieser Verweigerung der Wahrnehmung kann von Selbstschutz bis zu kollektiver Amnesie reichen.

Die Apparatur thematisiert die Grenzen und Ungenauigkeiten der Wahrnehmung, die Zusammenhänge von Erinnerung und Vergessen. Der Fokussierprozess wird zur Metapher unserer begrenzten Wahrnehmung, sei es ein nicht besser Sehen und Wissen können oder ein nicht mehr Erkennen und Verstehen wollen. Der Schriftsteller Jose Saramago spricht in seinem Roman „Die Stadt der Blinden" von einem Prozess des allgemeinen Blindwerdens, vom „weißen Übel": wir sehen immer mehr, und erkennen immer weniger

.

Link zu Video "Sehmaschine" auf Youtube / Link to video "Seeing Machine" on Youtube

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"Zivilisation", 1997, Adelhauser Museum für Völkerkunde, Freiburg

Im Völkerkundemuseum wurde zwei Fotografien in "nackten" Leuchtkästen gegenübergestellt, auf eine ausgleichende, weiche Mattglashinterleuchtung wurde verzichtet, die Technik vollständig exponiert.

Links die eine Gruppe der letzten Tasmanier in ihrem Internierungslager in erbärmlichen Zustand um 1850. Rechts sitzend Trugannini, die als letzte Tasmanierin gilt und 1876 verstarb. 

rechts ein Foto aus dem Archiv des Adelhausermuseum, Foto des Diorama "Faunengruppe Australien", Anfang 20. Jh.

In dem Diorama, damaliger Ausstellungsgestaltung entsprechend, wurde ein Gipsfigur eines Aborigines inmitten dortiger Flora und Fauna gezeigt.

Die Vorstellung vom "edlen Wilden" kontrastiert mit der erbarmungslosen Realität des Kolonialismus.

"Zivilisation", 1997, E-Werk/Hallen für Kunst, Freiburg

Die Ausstellung im Freiburger Völkerkundemuseum fand ihre Entsprechung in der zeitgleichen Installation im dortigen E-Werk / Hallen für Kunst, einem Relikt der Industriegeschichte (Elektrifizierung Anfang des 20. Jhs).

Beim Betreten des dunklen Eingangsraumes erhellte sich dieser sofort mit einer doppelten Projektion über Kreuz. Der eintretende Besucher wurde bei Blick auf die gegenüberliegenden permanent fokussierenden Portraits der beiden letzten Tasmanier gleichzeitig geblendet, siehe Projektor oben. Links im Glas die Spiegelung des Portraits Trugannini, deren eigentliche Projektion sich im Rücken des Betrachters befand. Beim Nähertreten oder Passieren geriet der Betrachter unweigerlich selbst ins Bild.   


"Ecclesia und Synagoge (von der Ordnung der Welt)", Projektion im Münster St. Paul, Esslingen, 1997

Text Dr. Renate Wiehager

"Haben sie sich jemals am Völkermord beteiligt?" 1996, Kunst.Raum Filderstr. 34, Stuttgart

"Have you ever been involved in genocide?", 1996, Kunst.Raum Filderstr. 34, Stuttgart


Siehe Video auf Youtube / See video on Youtube

 

An der Stirnwand wirft ein Projektor in kleiner Leuchtschrift Fragen an die Wand. Der Fragenkatalog entstammt wörtlich dem Antragsformular auf ein U.S.-Touristenvisum für Europäer (Stand 1980iger Jahre)

Hatten Sie jemals eine ansteckende, meldepflichtige Erkrankung?

□ ja □ nein

Liegt oder lag eine bedrohliche körperliche oder geistige Behinderung vor?

□ ja □ nein

Betreiben Sie Drogenmissbrauch oder sind Sie drogenabhängig?

□ ja □ nein

Haben Sie jemals mit kontrollierten Substanzen (Drogen) gehandelt?

□ ja □ nein

Sind Sie jemals wegen eines Vergehens oder einer Straftat festgenommen oder verurteilt worden?

□ ja □ nein

Waren Sie jemals als Prostituierte oder Zuhälter tätig?

□ ja □ nein

Versuchen Sie, sich an subversiven, terroristischen oder anderen gesetzeswidrigen Aktivitäten zu beteiligen?

□ ja □ nein

Haben Sie sich jemals am Völkermord beteiligt?

□ ja □ nein


A projector throws questions on to a wall in small illuminated letters. The list of questions is taken word for word from the application form for a US tourist visa for Europeans (in the 1980ies).

Did you ever have a communicable disease subject to registration?

□ YES □ NO

Do or did you ever have a ominous physical or mental disorder?

□ YES □ NO

Are you a drug abuser or addict?

□ YES □ NO

Have you ever been a controlled substance trafficker?

□ YES □ NO

Have you ever been arrested or convicted for an offence or crime?

□ YES □ NO

Did you ever work as a prostitute or pimp?

□ YES □ NO

Do you intend to engage in subversive, terrorist or other unlawful activities?

□ YES □ NO

Have you ever been involved in genocide?

□ YES □ NO

 

For further Information, see 1996 also Atemarbeiten / Works about Breath

Atem.Raum, 1995, Hospitalhof Stuttgart, erster Leuchtkasten

Im abgedunkelten Aufgang in den Turm wurden die 8 Forderungen Luthers an die Obrigkeit zum Umgang mit den Juden in gleißend hellen Leuchtkästen je einzeln präsentiert.

Atem.Raum, 1995, Hospitalhof Stuttgart, abgedunkelter Turmaufgang

Im abgedunkelten Aufgang in den Turm wurden die 8 Forderungen Luthers an die Obrigkeit in gleißend hellen Leuchtkästen je einzeln präsentiert. Die Texte siehe

For further Information see "Atemarbeiten / Breathing Works", Installation "Atem.Raum"

Oben, im letzten Raum, die Gleise und der Eingang zu Auschwitz-Birkenau (sowie zwei Atemobjekte auf dem Boden).

 

The tower gallery of the Hospital-church is blacked out with coverings made by Bettina Bürkle. In it Klaus Illi confronts visitors with the seven unspeakable pieces of advice given by the reformer Martin Luther to the princes on the treatment of Jews in 1543. Reading the texts presented in the excessively bright light boxes is laborious and painful. The concluding eighth demand recommends the expulsion of the jews. After the "Therefore, in any case, away with them!" Luthers follows the Shoah. The last light-box shows the entrance of Auschwitz-Birkenau.

"Exit", 1993, Städtische Galerie Ostfildern

 

For further Information see "Atemarbeiten / Breathing Works", Installation "Exit"


left: WILLIAM LANNEY

For William Lanney, the last surviving man, a more distinguished fate, in keeping with the history of his race, was preserved. Billy Lanney, facetiously known as King Billy, grew up at Flinders Island until, at the age of 13, he was removed with the remnant of his countrymen to Oyster Cove. Ultimately he became a sailor and for some years he went whaling. With the steady decrease in the number of the aborigines the citizens of Hobart began to take an interest in his novel creature. In January 1868, he was introduced to H.R.H. Prince Alfred, at Hobart Town regatta. He was seldom sober when he had money. He turned ill from a whaling voyage in February 1869, and on March 2 he died in his room at the Dog and Partridge public-house. “The death of the last male descendant of the Tasmanian aborigines, happening in the chief city of a people who had been the cause of their extirpation was a circumstance invested with more than common interest.” King Billy, who had been a poor, drunken piece of flotsam, ridiculed by almost all when alive, became, dead, a desirable property. While he lay in the Colonial Hospital at least two persons determined to have his bones.3 They claimed to act in the interests of the Royal College of Surgeons and of the Royal Society of Tasmania.

On 6 March 1869, the day of the funeral, about fifty or sixty residents interested in Lanney and determined that he should at least have a fine burying assembled at the hospital. Rumors were circulating that the body had been mutilated and, to satisfy the mourners, the coffin was opened. When those who wished to do so had seen the body the coffin was closed and sealed. It was then covered with a black opossum on which were laid some spears and waddies twisted with a Union Jack. Four whalers carried the coffin to the burial ground; it bore a plate inscribed, “William Lanney died 3 March 1869. Aged 34 years.” The coffin was buried with Anglican rites.

Meanwhile it was reported that, on the preceding night, a surgeon had entered the dead-house where Lanney lay, skinned the head, and removed the scull; the head of a patient who had died in the hospital on the same day was similarly skinned, and the scull was placed inside Lanney’s scalp and the skin drawn over it. Members of the Royal Society were “greatly annoyed” at being thus forestalled and, as body-snatching was expected, it was decided that the resurrection men should be left with nothing worth taking: Lanney’s hands and feet were cut off. A “painful impression” was caused among those at the funeral by these reports and they requested that a watch be kept on the grave that night. Instructions were given to the police, “but in some way they miscarried.” In the morning Constable Mahony found that the earth had been removed, a scull was lying on the surface, part of the coffin was visible, and the ground was saturated with blood. It was stated that a trail of blood was found from the grave to a gate opposite the stores to a guano company. A vast amount of public recrimination took place, in the course of which it was stated that Lanney’s body, taken back to the hospital in a wheel-barrow, had been reduced to “masses of blood and fat all over the floor.” In keeping with the tradition no one was punished.

The fate of such anatomical relics as remained I have not been able to learn. In reply to a letter, the Director of the Tasmanian Museum informs me, “So far as is known no portions of the skeleton of William Lanney, the last male aborigine, are in the possession of the Tasmanian Museum or the Royal Society of Tasmania.” The Royal College of Surgeons, London, has denied possession of the scull; it probably never left Tasmania.


Quote from: Clive Turnbull, “Black War”, Melbourne, 1948, pages 233-235

3 The death and burial of Lanney, his resurrection and mutilation, and the proceedings which followed, are described in detail in The Mercury, of 8 March 1869, and succeeding issues. See also Aspects in the Life of a Colonial Surgeon: The Honourable W.L. Crowther, F.R.C.S., C.M.Z.S, Sometime Premier of Tasmania, in The Medical Journal of Australia, 26 September 1942           


right: TRUGANINI

King Billy was gone, but Truganini, the “Beauty of Bruny,” lived on, last of the Bruny Island tribe, last of all the Tasmanians in Van Diemen’s Land.4 Her uncle had been shot by a soldier, her sister stolen by sealers, her mother stabbed. Her man had his hands cut off in life, and her last compatriot his hands cut off in death. One by one they had all gone, some shot, some brained with musket-butts, other rotted with drink and disease or victims of stange and horrible clothing. They had been raped, emasulated, flogged, roasted, and staved. They had been badgered from place to place, taken from their country to an unfamiliar island and brought back to die in the pestiferous ruins of a gaol. The colonists’ lusts had been succeeded by their hatred, and their hatred by their contempt. The “black crows” had become the “savages” and the savages, the dirty, drunken, flea-ridden blacks.

Truganini, the old woman, had seen it all, her own story the very story of her race. King Billy gone, she was something of a celebrity. Old people in Tasmania even now will tell of seeing her in the street, a grizzled old woman, a bright kerchief bound about her head. Her last years were comfortable, it seems, but there was a shadow over them – her fear of the body-snatchers and mutilation after death. Those pseudo-scientists who had shown not the slightest interest in the blacks in life now coveted a good skeleton. They had been cheated of King Billy but, it was said, they were determined to have Truganini’s bones. No doubt she thought of the old simplicities of Bruny, and of her father grieving over her mother’s death by knife wounds – “He used to make a fire at night by himself, when my mother would come to him.” No doubt, too, she thought of all the long and sorry years, the deaths of Flinders Island, the horrors of the trial and executions in far off Port Phillip, but, more and more often, we know, as she neared her end, she thought of Lanney, with his hands and feet cut off and the skull lying in the blood-soaked earth by the broken coffin. “Don’t let them cut me up,” she begged the doctor as she lay dying. “Bury me behind the mountains.” On 8 May 1876, she died; she was buried at the Cascades, Hobart, with great precautions against the body-snatchers. Today her bones are strung together in the Tasmanian Museum – no longer on public view, but in a “coffin-like” box in the basement.

4 For the death and burial of Truganini, see The Mercury, May 1876. Mr. Thomas Dunbabin, in his article on “Aborigines of Tasmania” in the Australian Encyclopaedia, Vol II, p. 540, says, “It is possible that Mrs. Seymour, who died at Kangaroo Island, South Australia, in 1909 at a great age, was a full-blood Tasmanian; it is said that she was stolen when a child and taken there by sealers.