Das Foto wurde 1929 in Ruit auf den Fildern, heute 73760 Ostfildern-Ruit, aufgenommen.

Bei dem Schwarzen handelt es sich vermutlich um Jacob Modi Din, geb. 1876 im Dorf Bonaduma in Kamerun.

Modi Din müsste bei seinem Besuch in Ruit also 53 Jahre alt gewesen sein.

Neben dem Schwarzen rechts steht Jakob Illi, genannt "Schüles Jakob" (der Begründer der "Ruiter Gemeinschaft", der mit dem Erzählen biblischer Geschichten für Kinder begonnen hat, bevor es noch die Kinderkirche gab). Das sogenannte "Schüle", eine frühe Form von Kindergottesdienst, fand sonntags von 12-13 Uhr statt. Links neben dem Schwarzen steht der weiße Missionar, vermutlich ebenfalls wie Mode Din von der Basler Mission. Auch der Herr ganz links in der Reihe ist unbekannt.

Obwohl vorn rechts drei Mädchen mit auf dem Bild sind, gibt es noch ein zweites ähnliches Foto mit analoger Konstellation, ausschließlich mit den Mädchen der "Kinderstunde" bzw. Sonntagsschule, siehe unten.

 

Detail mit 4 Erwachsenen des Fotos: ganz links unbekannt, Bildmitte mit Brille weißer Missionar der Basler Mission, rechts neben ihm Jacob Modi Din, ganz rechts Jakob Illi, der Gründer und Leiter der Sonntagsschule Ruit.

Das fragmentarische Foto mit den Mädchen. Meine Mutter sollte unmittelbar neben dem Schwarzen stehen und hat sich gefürchtet, dass er "abfärben" könnte - so abwegig ist das für ein 10jähriges Mädchen vom Lande ja nicht, das den ersten Schwarzen sieht und seine Hautfarbe womöglich als Krankheit verstand. Jedenfalls hat sie sich weggedrückt, siehe Bild unten. Aber er war ja zum Glück nicht ansteckend!

Leider ist das Mädchenfoto extrem selten und ein Zeichen dafür, dass damals Mädchen den Eltern wohl schlicht weniger wert waren (die Abzüge mussten sicher von den Eltern erworben werden). Ganz vorn rechts das Bübchen Gotthilf Bräuning, auch auf dem Bubenfoto abgebildet. Die erwachsenen Frauen sind ebenfalls unbekannt. Wer noch jemanden auf dem Buben- oder Mädchenfoto erkennt, bitte unbedingt bei mir melden!

"Zu Jacob Modi Din gibt es ein kleines Büchlein des Missionars Paul Scheibler mit dem Titel „Was die Gnade vermag. Aus dem Leben des Negerpfarrers Modi Din in Kamerun“, erschienen im Jahr 1930. Die Lebensgeschichte von Modi Din wurde offenbar während seines Aufenthalts in Süddeutschland aufgeschrieben... Geboren wurde Modi Din 1876 in Bonaduma, einem Stadtteil von Duala; sein genaues Todesdatum ist unbekannt."

Dr. Patrick Moser, Archiv der Basler Mission, Email 16.12.2020

Ein Auszug aus dem Büchlein siehe unten.

 

"Aus den Unterlagen der Reiseprediger in Stuttgart geht hervor, dass im Jahr 1929 der kamerunische Pfarrer Modi Din zu Gast war. Für Anfang Februar hatte man ein Besuchsprogramm organisiert, unter anderem in Stuttgart. Aus den Akten ergibt sich jedoch, dass Modi Din im Frühjahr 1929 immer noch in Baden-Württemberg war.

Dieses Bild hier aus unserem Archiv zeigt Pfarrer Modi Din: https://www.bmarchives.org/items/show/62567 . Es scheint mir, dass er dem Herrn auf Ihrem Bild doch sehr ähnlich sieht.

Wer allerdings der dritte Herr auf dem Bild ist, konnte ich nicht herausfinden. Modi Din war offenbar unterwegs mit diversen Pfarrern, Dekanen und Reisepredigern, ohne dass dies im einzelnen aufgeführt wurde. Wann genau der Besuch in Ostfildern-Ruit stattgefunden hat, geht aus den Quellen nicht hervor."

Dr. Patrick Moser, Archiv der Basler Mission, Email vom 15.12.2020

 

Über Modi Din siehe auch:

https://dacb.org/stories/cameroon/modi-din/

Daraus:

"Kindheit

Modi wurde 1876 in dem Dorf Bonaduma in Douala geboren. Sein Vater war ein sehr bedeutender Mann, der sechs Frauen, aber nur acht Kinder hatte. Modis Mutter, Muanjo, schenkte ihm vier dieser Kinder. Seine Familie praktizierte die traditionelle rituelle Religion der Douala. Vier Wochen nach seiner Geburt wurde Modi dem Volk vorgestellt und erhielt ein schwarzes Zeichen auf der Stirn, die Tätowierung, die das Zeichen der freien Männer war. Sein Vater starb, als er noch jung war, und seine Mutter übernahm seine Ausbildung in religiösen Praktiken sowie seine allgemeine Einführung in das Leben."

"Pfr. Essoko u. Pfr. Modi Din ", Ref. number: E-30.92.114, Fotograf Herr Hans Wildi

Courtesy Basel Mission Archives, © Basel Mission / mission 21

Noch eine kleine, sehr persönliche Anmerkung ganz zum Schluß: ich bin in einer sehr frommen, protestantisch-pietistischen Familie aufgewachsen. Als Schuljunge gehörte es zu meinen allmorgendlichen Ritualen, auf den ersten 100 Metern meines Schulweges bis zur Kreuzung Hedelfinger Straße (bis zur "Becke") ein kurzes, ritualisiertes Gebet vor mich innerlich hinzusprechen. Dazu gehörte, dass wenn wir sterben müssen, bitte doch alle Familienmitgleider zusammen sterben sollten. Außerdem gehörte zu meiner inneren Gebetslitanei "Mache (ich weiß nicht mehr, ob die Anrede "Herr" oder "Jesus" war), dass ich nicht als Missionar aufs Missionsfeld muss".

Ich musste nicht. Ich fürchtete mich wohl davor und offensichtlich weckte dieses "Missionsfeld" auch bedrohliche Assoziationen in meinem kindlichen Vorstellungsvermögen. Vielleicht weil es ja auch Menschenfresser gab, oder weil Missionare auch durch giftige Pfeile getötet wurden oder einfach auf nimmer Wiedersehen verschwanden...?