"Sisyphosmaschine und andere Apparate", Städtische Galerie Ostfildern, 10.11.2013 - 21.1.2014

(Sisyphos Machine and other Apparatuses), Ostfildern Municipal Gallery, Nov 10, 2013 - Jan 21, 2014

Video "Sisyphosmaschine" und "Ultima Latet" auf Youtube / Video "Sisyphos Machine" and "Ultima Latet" on Youtube

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Ultima Latet, 2013 (links), Sisyphosmaschine (rechts)

Ultima Latet, 2013 (left), Sisyphos machine (right)

Ultima Latet (links), Sisyphosmaschine (hinten), Katharsismaschine (rechts)

Ultima Latet (left), Sisyphos machine (rear), Catharsis machine (right)

"Sisyphosmaschine" (Pendel), 2013, Motor, Getriebe, Steuerung, Stein, ø 228cm x Tiefe 39cm

 

Ich kann der Sisyphos-Deutung von Albert Camus sehr viel abgewinnen, in diesem Sisyphos kann ich mich wiederfinden.

Camus wendet den Sisyphos-Mythos in etwas radikal Positives: er hebt in seinem Aufsatz „Der Mythos des Sisyphos“ von 1942 das „immer Unterwegs sein“ des Sisyphos hervor (allerdings „als ein Blinder, der sehen möchte und weiß, dass die Nacht kein Ende hat“). Mit dem Wissen wird aus Schicksalhaftigkeit Tragik. Camus zitiert einen weiteren tragischen Helden, den sich selbst blendenden Ödipus, der trotz allem meint, „dass alles gut ist“. Camus verallgemeinert im vorletzten Satz: „Der Kampf um die Gipfel allein kann ein Menschenherz ausfüllen“. Sisyphos‘ Leidenschaft also, sein Nicht-Aufgeben, seine Geduld, sein Wille taugen zum Ideal des Forschers, des Künstlers, des Intellektuellen, des Menschen allgemein. Es ist einerseits ein Bild der Knechtschaft, der Strafe, des Ringens und Kampfes, das in der sogenannten Sisyphusarbeit sprichwörtlich wurde. Es ist aber auch ein Bild der Sinnsuche und Erkenntnis, ein Bild für unser Leben. Camus konzentriert sich auf den Rückweg des Sisyphos ins Tal, auf die Möglichkeit des Aufatmens und Reflektierens, auf „die Stunde des Bewusstseins“, und endet mit dem erstaunlichen Satz „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“.

Sisyphos ist für mich ein Bild für den hart, ja bisweilen „sklavisch“ arbeitenden Menschen - ein durchaus realitätstaugliches Bild also, wenn man die letzte Radikalität seiner Strafe, die unendliche Wiederholung ohne Erkenntnisgewinn und ohne Fortschritt bei Seite lässt. Dann erlaubt das Bild Hoffnung.

Sisyphos scheitert nicht und er gibt nicht auf.

Sisyphos hatte keine Sklaven, er hatte auch keine Maschine.

Deshalb ist der Sisyphos-Mythos auch so geeignet dafür, das Thema Maschine und deren befreiendes Potential zu illustrieren. Die Sisyphosmaschine thematisiert sich selbst.

Der Mythos scheint wie geschaffen, die Verheißung der Maschine zu thematisieren: uns den Weg hinauf zu erleichtern.

 

"Sisyphos machine" (pendulum), 2013, motor, gearbox, control, stone, ø 228cm x depth 39cm

 

I can derive a lot from Albert Camus' interpretation of Sisyphus, I can find myself in this Sisyphus.

Camus turns the Sisyphus myth into something radically positive: in his essay "The Myth of Sisyphus" from 1942 he emphasizes the "always being on the road" of Sisyphus (but "as a blind man who wants to see and knows that the night has no end"). Knowledge turns destiny into tragedy. Camus quotes another tragic hero, self-blinding Oedipus, who despite everything thinks "that everything is good". Camus generalizes in the penultimate sentence: "The battle for the summits alone can fill a human heart. Sisyphos' passion, in other words, his non-abandonment, his patience, his will, are suitable for the ideal of the researcher, the artist, the intellectual, the human being in general. On the one hand, it is an image of bondage, of punishment, of fight and struggle, which became proverbial in the so-called "Sisyphus work". But it is also an image of the search for meaning and knowledge, an image for our lives. Camus concentrates on the way back of Sisyphus into the valley, on the possibility of breathing and reflecting, on "the hour of consciousness", and ends with the amazing sentence "We must imagine Sisyphus as a happy person".

For me, Sisyphus is an image for the hard-working, sometimes even "slavish" person - a perfectly realistic image, therefore, if one leaves aside the last radicality of his punishment, the infinite repetition without gaining knowledge and without progress. Then the picture allows hope.

Sisyphus does not fail and he does not give up.

Sisyphus had no slaves, he also had no machine.

This is why the Sisyphus myth is so suitable for illustrating the discourse of the machine and its liberating potential. The Sisyphos machine thematizes itself.

The myth seems to have been created to thematize the promise of the machine: to make the way up easier for us.

Sisyphosmaschine, 2013

Ultima Latet, 2013

 

Das Objekt ist eine nichtchronologische, irritierende, ironische „Uhr“. Ist kein Betrachter in der Nähe, zeigt sie die reale Uhrzeit an. Tritt eine Person näher, so beginnt das Verwirrspiel der Zeiger, die Blindenstöcke sind. Die Zeiger drehen sich unregelmäßig mit verschiedenen Geschwindigkeiten und unabhängig voneinander um eine zentrale Achse, auch gegen den Uhrzeigersinn. Bewegung, Drehrichtung, Geschwindigkeit und Stillstand sind programm-, teilweise zufallsgesteuert. Die „Uhr“ ist nicht nur ein Symbol für die zunehmende Beschleunigung der Zeit und für Vergänglichkeit, sondern zitiert das überholte mechanistische Weltmodell der Physik, dessen Vorstellung von der Natur einem Uhrwerk glich. Ebenso kann sie als fast apokalyptisches Zeichen für Chaos, als aus den Fugen geratene Ordnung gedeutet werden. Die Finalität unserer alles ordnenden und koordinierenden Zeitvorstellung wird aufgehoben. Das Zeitverständnis entspricht einer inneren, psychischen Uhr, wobei Flashbacks, Rückerinnerungen und Zukunftsängste, Projektionen und Eskapismus sich jäh abwechseln können, ineinander verwoben sind und eine Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem erlauben. Beide Zeiger können sich völlig frei bewegen, der kleine eigentlich langsame Stundenzeiger kann schneller laufen als der eigentlich schnelle und längere Minutenzeiger. Der Stunden- kann zum Sekundenzeiger, die Stunde zur Sekunde werden - und umgekehrt, die Minute will partout nicht vergehen und bewegt sich im Schneckentempo oder steht gar still. Hier zeigt sich keine objektiv-lineare, sondern „gefühlte“ oder subjektiv-erfahrene Zeit.

 

Das Entscheidende ist nicht messbar, die letzte Stunde bleibt verborgen (lat.: „ultima latet“, die letzte [Stunde] bleibt verborgen, „ultima hora latet“ wäre die vollständige Aussage). Blindenstöcke als Uhrzeiger verweisen auf die grundlegende Erkenntnisgrenze des Menschen. Hierzu gehört nicht nur seine prinzipielle Unkenntnis der Zukunft, sein Unwissen nicht nur um die letzte Stunde, sondern sein generelles Unwissen („Ich weiß, dass ich nicht weiß“ Platons). Die Blinden-Metapher verweist nicht nur auf das nicht-Wissen-können, sondern auch auf das nicht-Wissen-wollen, auf die Scheuklappen und Verdrängungsmechanismen, auf unsere selektiven Filter.

 

Ultima Latet, 2013

 

The object is a non-chronological, irritating, ironic "clock". If no observer is nearby, it indicates the real time. When a person approaches, the confusion of the watch hands, which are blind canes, begins. The hands rotate irregularly at different speeds and independently from another around a central axis, even counterclockwise. Movement, direction of rotation, speed and standstill are program, partly random controlled. The "clock" is not only a symbol for the increasing acceleration of time and for transience, but quotes the outdated mechanistic world model of physics, whose idea of nature resembled a clockwork. It can also be interpreted as an almost apocalyptic sign of chaos, as an order that has gone off the rails. The finality of our all-ordering and coordinating conception of time is abolished. The understanding of time corresponds to an inner, psychic clock, where flashbacks, memories and fears of the future, projections and escapism can alternate abruptly, are interwoven and permit a simultaneity of the non-simultaneous. Both hands can move completely freely, the small, actually slow hour hand can run faster than the actually fast and longer minute hand. The hour hand can become the second hand, the hour the second - and vice versa, the minute does not want to pass and moves at snail's pace or even stands still. This is not an objective linear, but "felt" or subjectively experienced time.

The decisive thing is not measurable, the last hour remains hidden (lat.: "ultima latet", the last [hour] remains hidden, "ultima hora latet" would be the complete statement). Blind sticks as clock hands refer to the fundamental limits of human knowledge. To this belongs not only his fundamental ignorance of the future, his ignorance not only about the last hour, but his general ignorance ("I know that I do not know" Plato's). The blind metaphor refers not only to the inability to know, but also to the unwillingness to know, to the blinkers and repression mechanisms, to our selective filters.

Ultima Latet, 2013

Katharsismaschine - 6, 2004/2013

 

Dem Umfeld von Reinigung und Sauberkeit liegt ein ausgesprochen janusköpfiger, widersprüchlicher Charakter zugrunde. Die Grenze zwischen notwendiger, sinnvoller Hygiene und krankhaftem Reinigungstrieb ist fließend. Nützliche Reinigung, der Kampf gegen Chaos und Entropie kann sich jäh in Putzmanie, Ordnungswahn und Pedanterie verwandeln.

Katharsis bezeichnet die Änderung eines seelischen Zustands, auf den durch das Ausstellungsgeschehen ironisch angespielt wird [„Katharsis“ laut Duden: gr. = (kultische) Reinigung: 1. Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des (antiken) Trauerspiels (Literaturwissenschaft), 2. das Sich-Befreien von seelischen Konflikten u. inneren Spannungen durch eine emotionale Abreaktion (Psychologie)].

Die Tätigkeit der Katharsismaschinen bleibt mehrdeutig, merkwürdig unklar. Die gründliche Reinigung bringt den Wahrnehmungsdiskurs generell ins Spiel, die Reflexion von Erinnerung und Vergessen. Handelt es sich beim Säubern um eine befreiende Reinigung und Klärung, ein archäologisch-historisches Freilegen, eine behutsame Suche, um ein aufklärerisches Wissen wollen? Oder geht es darum, Spuren zu verwischen, „vom Tisch zu wischen“ und „unter den Teppich zu kehren“, um kollektive oder individuelle Verdrängung, um Amnesie?

Angestrebt ist eine amüsante und gleichzeitig abgründige Installation, denn die Apparate widersprechen sich selber, sind gleichzeitig Antikatharsismaschinen.

 

Catharsis machine - 6, 2004/2013

 

The context of cleaning and cleanliness is based on a distinctly Janus-faced, contradictory character. The boundary between necessary, meaningful hygiene and pathological cleansing instinct is fluid. Useful cleansing, the fight against chaos and entropy can abruptly turn into cleaning mania, order craze and pedantry.

Catharsis describes the change of a mental state, which is ironically alluded to by the exhibition ["catharsis" according to Duden: gr. = (cultic) purification: 1. purification of the soul from passions as effect of the (ancient) tragedy (literary science), 2. liberation from mental conflicts and inner tensions through an emotional abreaction (psychology)].

The activity of the catharsis machines remains ambiguous, strangely unclear. Thorough purification brings into play the discourse of perception in general, the reflection of memory and oblivion. Is cleaning a liberating purification and clarification, an archaeological-historical uncovering, a cautious search, an enlightening knowledge? Or is it about blurring traces, "wiping off the table" and "sweeping under the carpet", about collective or individual repression, about amnesia?

The aim is an amusing and at the same time abysmal installation, because the apparatuses contradict themselves, are at the same time anti-catharsis machines.

Video "Katharsismaschine-6" auf Youtube / Video "Catharsis Machine-6" on Youtube

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Katharsismaschine-6, 2003/2013

Katharsismaschine-6 (vorn), 2003/2013

hinten: "Zeichenmaschinen", 2001 / 2013, Motoren, Federstahl, div. Stifte, Radiergummi, ø 75-150cm, Höhen 13-40cm

vorn:  Katharsismaschine-6, 2003/2013

 

Als „Hommage an den Kreis“ hinterlassen kinetische Zeichen- und Radiermaschinen kreisrunde Spuren. Im Laufe der Ausstellung entstehen Kreiszeichen aus Linien oder fast unsichtbaren Radierspuren. Durch z.T. extrem langsame Drehbewegungen und die Repetition haben die Arbeiten etwas Rhythmisches, Meditatives. Die Installation evoziert Assoziationen an das Fließen der Zeit, an Geschichte: Spuren werden hinterlassen oder verwischt.

In der Assoziation von Zielscheiben liegt das „Ziel“ (telos) im philosophischen und existentiellen Sinn, von Konzentration auf ein Zentrum hin. Kreise sind Zeichen für Harmonie und Geschlossenheit.

Verschiedene Erinnerungen werden geweckt: ringförmig sich ausbreitende Wellen, nachdem ein Gegenstand ins Wasser geworfen wurde, Jahresringe an Bäumen mit der Vorstellung von Wachstum, Zeit, Lebenszyklen, Entwicklungsphasen. Schließlich auch das Bedeutungsfeld „Rad“ und „Uhr“ mit Vorstellungen von Drehung, Überwindung von Distanzen, aber auch Wiederholung, Wiederkehr, Vergänglichkeit. Nicht zuletzt liegt eine planetarische Dimension auf der Hand. Was auf der Erde scheinbar linear aussieht, ist über die Erdkugel gesehen auch wieder ein Kreis, hier eingefangen in einer menschlich fassbaren Dimension.

Das Hinterlassen von Spuren ebenso wie das Auslöschen verursacht je eigene Geräusche, Energie und Kraft sind zur Überwindung der Reibwiderstände erforderlich. Der Betrachter verfolgt das Entstehen der „Zeichnung“.

 

Video zu "Zeichenmaschine" auf Youtube / Video to "Drawing Machine" on Youtube

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back: "Drawing Machines", 2001 / 2013, motors, spring steel, various pencils, eraser, ø 75-150cm, heights 13-40cm

front: Catharsismaschine-6, 2003/2013

 

Kinetic drawing and erasing machines leave circular traces as a "tribute to the circle". In the course of the exhibition, circular signs emerge from lines or almost invisible traces of etching. The works have something rhythmic and meditative about them, partly due to extremely slow turning movements and repetition. The installation evokes associations with the flow of time, with history: traces are left behind or blurred.

In the association of targets lies the "goal" (telos) in the philosophical and existential sense, from concentration towards a centre. Circles are signs of harmony and unity.

Various memories are awakened: ring-shaped waves after an object has been thrown into the water, annual rings on trees with the idea of growth, time, life cycles, development phases. Finally also the field of meaning "wheel" and "clock" with ideas of rotation, overcoming distances, but also repetition, return, transience. Last but not least, a planetary dimension is obvious. What appears to be linear on Earth is, seen over the globe, also a circle, here captured in a humanly comprehensible dimension.

The leaving behind of traces as well as the extinction each causes its own noises, energy and force are necessary to overcome the friction resistances. The viewer follows the emergence of the "drawing".

Radiermaschine, Zeichenmaschinen, 2013

Erasing machine, drawing machines, 2013

Zeichenmaschine, 2013 - Drawing machine, 2013

Keplers Alptraum (Lemniskate)

Kepler's Nightmare (Lemniscate)

"Keplers Alptraum" (Lemniskate), 2013, 2 Motoren, mechanische Komponenten, Steuerung, 72 x 172 x 47cm

 

Die Arbeit sollte ursprünglich eine „Zeichenmaschine“ werden, die eine „Lemniskate“ (eine liegende Acht bzw. das math. Symbol für Unendlichkeit) zeichnet. Im Laufe der Arbeit mutierte es in eine kosmische Dimension, indem es die Umlaufbahn eines Planeten simuliert. Es wurde zu einer Hommage an Johannes Kepler (1571-1630) aus Weil der Stadt und seiner unglaublichen Lebensleistung im Kontext seiner damals äußerst widrigen Lebensumstände.

Bei seinen Beobachtungen und den darauf basierenden Berechnungen der elliptischen Planetenumlaufbahnen kam er aufgrund der Tatsache, dass sein Beobachterstandpunkt - die Erde - sich selbst auf einer Umlaufbahn bewegt, zunächst zum Ergebnis, dass der Mars eine Schleifenbahn habe. Er musste also zunächst die Umlaufbahn der Erde selbst genau kennen. Bei seinen Forschungen entstanden die drei Keplerschen Gesetze der Planetenumlaufbahnen.

 

Die Suche nach einem Planeten, der die Umlaufbahn einer liegenden Acht hat, ist bis heute nicht abgeschlossen.

 

Von 1615 an musste sich Kepler um die Verteidigung seiner Mutter Katharina kümmern, die unter dem Verdacht der Hexerei eingekerkert war. In einer Romanfigur in Keplers Schrift Somnium („Der Traum“), der eine magische Reise zum Mond beschreibt, meinte die Anklage Keplers Mutter wiederzuerkennen. Im Oktober 1621 erreichte er ihre Freilassung. Dabei kam ihm ein juristisches Gutachten der Universität Tübingen zu Hilfe. Keplers Mutter starb bereits ein Jahr später vermutlich an den Folgen der Folter (mindestens das "Zeigen der Folterinstrumente" wurde an ihr praktiziert).

 

Siehe auch Video zu "Keplers Alptraum (Lemniskate)" / "Kepler's Nightmare (Lemniscate)" at Youtube

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"Keplers Nightmare" (Lemniscate), 2013, 2 motors, mechanical components, control, 72 x 172 x 47cm

 

The work was originally intended to be a "drawing machine", drawing a "lemniscate" (a lying eight or the mathematical symbol for infinity). In the course of the work it mutated into a cosmic dimension by simulating the orbit of a planet. It became a tribute to Johannes Kepler (1571-1630) from Weil der Stadt and his unbelievable life achievement in the context of his then extremely adverse living conditions.

In his observations and the calculations of the elliptical planetary orbits based on these observations, he first came to the conclusion that Mars had a loop path due to the fact that his observer's position - the Earth - moves itself in an orbit. He therefore first had to know the exact orbit of the Earth itself. During his research, Kepler developed the three laws of planetary orbits.

The search for a planet that has the orbit of a horizontal eight has not been completed to this day.

From 1615 Kepler had to take care of the defence of his mother Katharina, who was imprisoned under suspicion of witchcraft. In a novel character in Kepler's writing Somnium ("The Dream"), which describes a magical journey to the moon, prosecution thought to recognize Kepler's mother. In October 1621 he achieved her release. A legal expert opinion of the University of Tübingen came to his aid. Kepler's mother died already one year later presumably from the consequences of torture (at least "showing the instruments of torture" was practiced on her).

Keplers Alptraum (Lemniskate)

Sisyphosmaschine (Versuchsanordnung), Video, 2013

 

Das Video ist eine Versuchsanordnung für eine geplante Sisyphosmaschine. Das Geschehen mutet wie ein Spiel an.

Ein Greifarm sucht aus einem Haufen flacher Kieselsteine einen Stein heraus und legt ihn an einem Punkt innerhalb des Feldes ab. Den nächsten Kiesel aus dem Haufen legt die „Maschine“ (hier die Hand) vorsichtig auf den ersten. So entsteht ein Stapel, der irgendwann umfällt. Die Logik legt nahe, dass unten mit einem größeren Stein begonnen wird und nach oben immer kleiner werdende Steine folgen. Fällt der Steinstapel um, bleibt ein Steinhügel.

An (beliebiger) anderer Stelle wird der nächste Versuch gemacht. Die „Maschine“ gibt nicht auf.

Es ist offensichtlich das Ziel der Maschine, den Stapel möglichst hoch zu machen. Ein schlecht gebauter Stapel kann früh fallen. Jeder weitere Stein ist ein „Erfolgserlebnis“, aber der Fall ist dennoch voraussehbar - jedes Fallen eines mehr oder weniger hohen Stapels wird vom Betrachter als Scheitern interpretiert. Jedoch - die „Maschine“ verzweifelt nicht. Nach einer gewissen Beobachtungszeit lässt sich vermuten, dass es keine fertige, endgültige Form, keinen Abschluss, kein Ende gibt. Offensichtlich geht es hier weder um Produktion noch um Produktivität – es vollziehen sich Kreisläufe, Schleifen, ohne dass ein fertiges Produkt entsteht. Nach jedem Fallen gibt es eine kleine Pause, eine „Reflexionsphase“. Dann wird weiter gebaut, neue Stapel wachsen und fallen, auf den Ruinen wird weiter aufgebaut oder sie dienen als „Steinbruch“ für neue Stapel. Der Turmbau zu Babel mag kurz in den Sinn kommen. Es ist lediglich eine Frage von Zeit und Höhe, bis der Stapel erneut fällt. Bald wird klar, dass kein letzter, absoluter Steinstapel das Ziel sein kann. Es ist ein nicht endender Prozess der Wiederholung, der Bemühung, der Suche. Dabei entsteht ein Rhythmus von Werden und Vergehen, alles ist im Fluss, jeder Stapel, jeder Haufen wird Übergangsstadium zu neuen Stapeln und Haufen.

Es gibt kein Scheitern.

Ist diese Versuchsanordnung als Metapher des Lebens zu optimistisch?

 

Sisyphos machine (experimental set-up), Video, 2013

 

The video is a test arrangement for a planned Sisyphos machine. The event seems like a game.

A grab arm picks out a stone from a pile of flat pebbles and places it at a point within the field. The "machine" (here the hand) carefully places the next pebble from the pile on the first one. This creates a pile that eventually falls over. Logic suggests that you start with a larger stone at the bottom and that smaller and smaller stones follow upwards. If the stone stack falls over, a stone hill remains.

At (any) other place the next attempt is made. The "machine" does not give up.

It is obviously the aim of the machine to make the stack as high as possible. A badly built stack can fall early. Every further stone is a "sense of achievement", but the case is still predictable - every fall of a more or less high stack is interpreted by the observer as failure. However - the "machine" does not despair. After a certain period of observation it can be assumed that there is no finished, final form, no conclusion, no end. Obviously, this is not about production or productivity - there are cycles, loops, without a finished product being created. After each fall there is a small pause, a "reflection phase". Then construction continues, new stacks grow and fall, further construction continues on the ruins or they serve as a "quarry" for new stacks. The Tower of Babel may briefly come to mind. It's just a matter of time and height until the pile falls again. Soon it becomes clear that no last, absolute stone stack can be the target. It is a never-ending process of repetition, of effort, of search. This creates a rhythm of becoming and passing, everything is in flux, every stack, every heap becomes a transition stage to new stacks and heaps.

There is no failure.

Is this experimental arrangement too optimistic as a metaphor of life?

 

See also video "Sisyphosmaschine (Versuchsanordnung)" / "Sisyphos Machine (Experimental Set-up)" at Youtube.

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Spectaculum Miserabile, 2013

Ein Blindenstock hängt mittig zwischen zwei schweren Boxsäcken. Nähert sich ein Betrachter, bewegt sich der Blindenstock von oben nach unten langsam vorwärts, während er nach links und rechts tastet und dabei teils die Boxsäcke leicht berührt, sich oft aber nur vorsichtig annähert und vor einer Berührung zurückschreckt, ja zuweilen auf dem Weg zum Boxsack zu zittern und zögern scheint. Vielleicht versucht der Blindenstock auch manchmal, nach der einen oder anderen Seite „auszuteilen“ oder zumindest auf Tuchfühlung zu gehen. Angesichts des leibhaftigen Übergewichts der Säcke bleiben solche „Befreiungsschläge“ aber lachhafte Nadelstiche. Während die Boxsäcke in Ruhe und Passivität verharren, ist der weiße Blindenstock der aktive, agile Teil der Arbeit. Dennoch besitzen die Boxsäcke dank ihrer Gestalt, Ihres Volumens und Ihrer eigentlichen Funktion der Parierung gröbster Fausthiebe eine Ausstrahlung der Macht und verkörpern trotz ihrer Passivität potentielle, rohe Kraft und Gewalt, während der feingliedrige, fragile Blindenstock mit großer Vorsicht und fast ängstlich zwischen den beiden schwergewichtigen Machtzentren agieren muss und zu keiner Zeit fähig ist, den Säcken auch nur im Geringsten gefährlich zu werden.

Schwere versus Leichtigkeit, physische Dominanz versus fragile Unsichtbarkeit, aggressive Selbstbehauptung versus ängstlicher Hilflosigkeit. Diese Parabel über Macht und Ohnmacht verkörpert in ihrer Widersprüchlichkeit eine Atmosphäre der Bedrohung, thematisiert Herrschaft, Unterdrückung und strukturelle Gewalt. Die Konstellation entbehrt aber auch nicht einer gewissen Absurdität. Die drei hängenden vertikale Elemente könnten auf eine Golgatha-Konstellation anspielen.

 

A cane hangs in the middle between two heavy punching bags. When an observer approaches, the cane slowly moves forward from top to bottom, while it feels its way to the left and right, touching the punching bags slightly, but often only approaches carefully and shrinks back from touching them, sometimes seeming to tremble and hesitate on its way to the punching bag. Maybe the blind cane also tries sometimes to "hand out" to one side or the other or at least to get close to it. In view of the physical overweight of the bags, however, such "liberation blows" remain laughable pinpricks. While the punchbags remain calm and passive, the white cane is the active, agile part of the work. Nevertheless, thanks to their shape, their volume and their actual function of parrying the roughest punches, the punchbags possess a charisma of power and, despite their passivity, embody potential, raw power and violence, while the delicate, fragile cane has to act with great caution and almost fearfully between the two heavyweight power centres and is never capable of becoming dangerous to the bags, even in the slightest.

Heavyness versus lightness, physical dominance versus fragile invisibility, aggressive self-assertion versus anxious helplessness. This parable about power and powerlessness embodies in its contradictoriness an atmosphere of threat, thematizes domination, oppression and structural violence. The constellation, however, does not lack a certain absurdity. The three hanging vertical elements could allude to a Golgotha constellation.

 

Siehe auch Video zu "Spectaculum Miserabile" auf Youtube / See also video "Spectaculum Miserabile" on Youtube

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Spectaculum Miserabile (unten), Windhose (oben), 2013

Windsäcke, 2013, jeweils 120x260x60cm, Ballonstoff, Ventilator, Schrittmotor, Steuerung

Windsocks, 2013, each 120x260x60cm, balloon fabric, ventilators, step motors, PLC

 

Die beiden Windsäcke sollen Besucher begrüßen. Hätten sie mehr Raum, so könnten sie sich auch im vollen Kreis drehen. Natürlich sind Windhosen im Innenraum funktional als Windrichtungsanzeiger eine Absurdität. Hier weht der Wind offensichtlich, wie er will. Das Bild vom „Fähnchen in den Wind hängen“ könnte in Erinnerung kommen. Die Windhosen sollen in ihrer prallen Fülle und Farbigkeit Lebenslust ausstrahlen, und wenn sie dem Betrachter zum Schmunzeln bringen, wäre schon viel erreicht.

 

The two wind bags are meant to greet visitors. If they had more space, they could also rotate in a full circle. Of course, whirlwinds in the interior are functionally an absurdity as wind direction indicators. Here the wind obviously blows as it pleases. The image of the "little flag hanging in the wind" could come to mind. The whirlwinds are supposed to radiate joie de vivre in their fullness and colourfulness, and if they make the viewer smile, much would already have been achieved.

Windsäcke / Windsocks, 2013