Ich arbeite mit Uri Sigal-Galkin vordergründig über das Thema "Fliegen".

Dabei wird das "Selbstportrait" von Uri als Protagonist verwendet. Diese 35cm hohe Plastikpuppe mit dem Namen "Nimrod Isch Schalom" (Nimrod Mann des Friedens) spielt auch auf den biblischen Jäger-Helden Nimrod an. Nun lernt diese 35cm hohe PVC-Figur in meinem Atelier und in verschiedenen Ausstellungen das Fliegen. Er wird zu einem Flugpionier, eher aber Ikarus als Dädalus, Schneider von Ulm oder Gustav Mesmer – einer, dem das Scheitern näher steht als der Überflug.

Uri lebt und arbeitet im Moschaf Amikam in Israel.

 

I collaborate with Uri Sigal-Galkin primarily on the issue of "Flying".

Uri's self portrait is the protagonist. This 1'1" high plasticdoll called "Nimrod ish Shalom" (Nimrod Man of Piece") also recalls the biblical hunter-hero Nimrod. Now he learns to fly in my studio and in different exhibitions. He becomes a pioneer, but rather a Ikarus than a Daedalus, a "Tailor from Ulm" or Gustav Mesmer - one, who is closer to fail than to succeed.

Uri is living and working in the Moshav Amikam in Israel.


In Uris Atelier / in Uri's studio, Brooklyn, 1992


Ausstellung im Hospitalhof Stuttgart 1998 "Aufstehen - Auferstehen"

links/left: "Kommt der Jud' in Himmel?"

rechts: "Himmelfahrt"

"Kommt der Jud' in' Himmel?" 1998 (Hospitalhof Stuttgart im Rahmen der Ausstellung "Aufstehen - Auferstehen")

98 x 72 x 72cm

 

Die Arbeit geht auf ein perfides Kinderspiel zurück, in dem der Erwachsene eine Katze auf dem Schoß hat, sie streichelt und der Katze bzw. dem dabeisitzenden Kind die Frage stellt, die den Titel der Arbeit ausmacht:

"Kommt der Jud' in' Himmel?"

Anschließend bläst der Fragesteller der Katze ins Ohr, was diese zu einem kräftigen Kopfschütteln veranlasst, weil sie das gar nicht mag. Eine klare Verneinung!

Auf dem Boden befindet sich ein Fußschalter, mit dem der Besucher die Aktion auslöst. Nach dem Einschalten beugt sich die Nimrodfigur zur Katze vor und bläst.

Dies war die erste Zusammenarbeit von Uri und mir.

"Himmelfahrt"

Diese Arbeit bezieht sich ironisch auf das Ausstellungsthema. Die Kugelschreiber sind Werbegeschenke von missionierenden christlichen Fundamentalisten, gesammelt in Fußgängerzonen. Aufschrift: "JESUS kommt wieder - bist Du bereit?".

Ikonographisch wird auf den heiligen Sebastian angespielt. Der Sockel dient dieser Heiligenverehrung, vor dem "linke" und "rechte" Nimrods zwecks Ehrerbietung Schlange stehen (es gibt tatsächlich zwei spiegelsymmetrische Nimrodvarianten).

"Himmelfahrt"


 "Ikarus-Nimrod" (Hommage an Gustav Mesmer)

(im Rahmen der Ausstellung "Grund zu bleiben" des Württembergischer Künstlerbunds im Kloster Schussenried, 2004)

Die sind die ersten Flugversuche des "Nimrod Isch Schalom".


Der Bezug zu Gustav Mesmer, dem "Ikarus vom Lautertal", ist im Kloster Schussenried nahelegend: hier saß er als geistig Verwirrter ein und war als Buchbinder in der Bibliothek tätig. Er versuchte lebenslang, der alltäglichen Anstaltsenge durch zahllose Flugapparate und noch mehr Entwürfen dazu zu entfliehen. Weder Mesmer noch Nimrod stürzen physisch ab, jedoch will ihnen partout der Traum vom Fliegen, die Flucht aus der Einengungen von Schwerkraft und Gesellschaft misslingen.

Diese spielerische Arbeit über das Erfinden und Forschen, über Phantasie und die Verwandschaft von Verrücksein und Innovation bezeugt den Wunsch, Traum und Wirklichkeit zu verbinden. Im permanenten Versuch wird ein tragisches Scheitern, eine sisyphoshafte Lebenspraxis impliziert. Camus widerspricht der Deutung als Tragödie, wenn es im "Mythos des Sisyphos" heißt: "Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen". 


"Ikarus-Nimrod" mit 3 Stromträgern


"Attempts to Fly"

(im Rahmen der Ausstellung „Ein Raum für...“ in der Shedhalle Tübingen, 2004)


War der erste Flugversuch von „Ikarus-Nimrod“ noch zaghaft, so sind hier die Experimente raumgreifender. Zeitgenössische Flugantriebe aufgreifend, treibt eine stilisierte Düse den flügellosen Pionier an. Die mitgeführten Steine halten das Gleichgewicht, dienen aber auch der Erdhaftung. Der Ventilator ist drehzahlgesteuert und ermöglicht unserem Flieger unterschiedliche Ansätze. Während er einmal nur über die Flußkiesel am Boden holpert, sich verschiedentlich verhakt, hängen bleibt und also gar nicht vom Boden wegkommt, geht ihm ein andermal bei mäßigem Flugtempo immer wieder der „Sprit aus“, was die Besucher regelmäßig zur Defektvermutung mißleitet. Dann wieder saust er kraftvoll davon und dreht trotz dem irdischen Ballast überraschend schnelle Kreise.

Als spezifischer Ortsbezug wird die frühere Funktion der Ausstellungshalle als „Warteraum“ vor der Schlachtung in das Konzept integriert. Der Trog, an dem noch vor wenigen Jahren der Durst der todgeweihten Tiere gelöscht wurde, bildet den Hintergrund der Installation. Die Eisenringe, an denen die Tiere angebunden waren, sowie kreisförmige Scharrspuren in den Kacheln um diese herum erinnern an das Schicksal der Tiere. An manchen Ringen hängt noch ein abgeschnittener, starker Strick.

Ein Nimrod-Bündel steckt kopfüber in einem Gulli, die Abflussrinne bildet die Fluchtlinie für die gemeinsame Installation. Vom Dach wächst ein Turm herab, in der untersten Box in Form eines Käfigs wird ein Nimrod durch vier Ventilatoren zyklisch beatmet, wodurch sie selbst ebenso wie die in den Drähten hängenden Kabelträger in Schwingung geraten.

"Attempts to Fly"

"Attempts to Fly"

"Attempts to Fly"

Die kreisförmigen Spuren stammen von den Tieren, die hier am Futtertrog zum Gnadenbrot angebunden waren.

 

"(B)Engel" (im Rahmen der Ausstellung "Relativ Schön" in der Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2004)


Manchmal ganz langsam, quasi übend, manchmal ungestüm und unregelmäßig als angehender Flieger, als „Learner“, manchmal auch bedrohlich schnell. Konfrontiert wird der (B)Engel mit dem martialischen Erzengel aus dem Ulmer Münster: der mit Schwert, Schild und Rüstung eine wahrhaft militärische und antihumane Drohkulisse aufbaut. Sein Name „Michael“ bedeutet im hebräischen so viel wie „Wer ist wie Gott“, eine wunderbare Anfrage an die Hybris des Menschen, der sich die Nazis-Ideologen natürlich nicht stellen wollten.

Illi möchte darauf hinweisen, dass dieser Erzengel einer (theologischen und künstlerischen) Antwort bedarf, und würde sich gern, zusammen mit Uri, dieser Herausforderung einer Antwort mit menschlichem Maß auf die Monumentalität und Monstosität stellen. Der Nimrod-(B)Engel kann, was klein fliegendes natürliches oder künstliches Wesen kann – er kann rückwärts fliegen. Vielleicht ein Zeichen von oben? Der (B)Engel kann aber auch die eine oder andere bedrohliche Seite haben: vielleicht ein kleiner Hinweis auf die militärische Tradition Ulms, die ja im hinteren (Eingangs-)Teil des Münsters so unaufgearbeitet präsent ist.

Vielleicht helfen Leitern weiter? Sicherlich aber nicht die doppelte Josef-Süsskind-Oppenheimer, die ihn hinauf in seinen luftigen Käfig führte...

Man kann im Nimrod-(B)Engel ebenso eine Anspielung auf einen der berühmt gewordenen Söhne der Stadt sehen – auf den Schneider Berblinger, der im 3. Reich zum Pionier der Reichluftwaffe mutierte. 

Beobachter mit Himmelsleitern

"(B)Engel" mit schlagenden Flügeln

 Dreh- und Flügelschlagmechanismus für "(B)Engel"

 "(B)Engel mit Beobachtergruppe ("Relativ Schön", Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2004)

"Erzengel Michael", Foto 125x190cm, 2004  ("Relativ Schön", Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2004)

Die Originalfigur dieses riesenhaften, präfaschistischen Engels, dessen hebräischer Name "Wer ist wie er?" bedeutet, thront über dem hinteren Teil des Kirchenschiffs des Ulmer Münsters.

 

Spatz-Nimrod (with horizontal line) ("Relativ Schön", Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2004)


Man kann im Spatz-Nimrod eine Anspielung auf den Schneider Berblinger, einen der berühmt gewordenen Söhne Ulms sehen. V.a. aber liegt der Bezug auf den Ulmer Spatz auf der Hand. „Spatz-Nimrod (with horizontal line)“ hat zwar keinen Strohhalm im Mund, dafür aber Taubenabwehrstacheln auf dem Kopf und eine Horizontlinie deutlich vor Augen.

Er nimmt seinen Horizont immer mit sich: als Zeichen seiner Beschränktheit, als Mittel der Selbsterkenntnis, als Stigma, als Erinnerung, dass er permanent überstiegen werden sollte?

Die realen Taubenabwehrstacheln an Gebäudeelementen haben Uri auf seinem ersten Deutschlandbesuch sofort begeistert. „Don’t shit on me“ ist ja wohl nicht nur Uri's Aussage und Interesse, und der Bezug der historischen Nimrod-Figur zum Jagdfalken veranlasst Uri zu zahlreichen Vogelanspielungen, beispielsweise durch zur vielfältigen Verwendung von Vogelfedern.

Spatz-Nimrod (with horizontal line) ("Relativ Schön", Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2004)

 Spatz-Nimrod (with horizontal line) in Aktion / in action



"Flieger" (vorn: "Jäger", hinten: "Armada")

im Krafftschen Innenhof im Rahmen der "Blauen Nacht Nürnberg" vom 7. auf 8. Mail 2005


Der zeit- und ortsspezifische Anlaß hat uns veranlasst, die biblische, historisch-heroische Jägerfigur des Nimrod, die Uri in einen „Mann des Friedens“ umdeutet, in einer Installation zurück in einen zeitgenössischen Jäger zu verwandeln (ein Aufklärungsflugzeug der britischen Royal Air Force trägt tatsächlich den Namen „Nimrod“).

Fliegen ist bekanntermaßen ein uralter Menschheitstraum und hat seit Menschengedenken die Phantasie beflügelt. Flugversuche stehen für Erfindertum und Tüftlerdasein, Fliegen symbolisiert auch den Wunsch/Traum nach Freiheit, was bei Gustav Mesmer auf der Hand liegt – war er doch die längste Zeit seines Lebens in psych. Anstalten interniert. Andererseits schwingt beim Thema Fliegen die militärische Instrumentalisierung stets mit. Dank solchen ideologischen Wunschdenkens wurde im dritten Reich der Schneider von Ulm zum Pionier der Reichsluftwaffe. Die Folgen des „totalen Krieges“ liegen in der Nürnberger Altstadt, einer von Fliegerbomben hochgradig zerstörten Anlage, dem Sehenden bildhaft vor Augen. Im Kontext der Nacht vom 7. auf 8. Mai, in dieser Nacht zum 60ster Jahrestag der Kapitulation des Deutschen Reiches, gleicht es einer Ironie der Geschichte, dass das Medium Luft in diesem Kontext auch noch anders einzubeziehen wäre, nämlich als Atementzug: viele Opfer der Bombennächte teilten das Schicksal der Vergasten, den Tod durch Ersticken.

Auch die fehlende letzte Ruhestätte ist ihnen gemein.

Es wird versucht, dieses so verschiedene und doch geteilte Schicksal anzudeuten und künstlerisch in drei Elementen zu verknüpfen. Einem singulären „Jäger“, einer „Armada“ und „Bodenpersonal“.

 "Flieger" (vorn "Jäger", hinten "Armada")

Jäger“

Ein singulärer, größerer Linear-Flieger bewegt sich bedrohlich schnell direkt auf den eintretenden Besucher zu, er läuft rasselnd auf Stahlrollen und zwei Drahtseilen über zehn Meter nach vorn, um dann wieder umzukehren – das Ventilatorblasen kann bedrückende Ausmaße annehmen. Er trägt eine Art von Suchscheinwerfer auf dem Kopf, der einen spotartigen Lichtkegel nach vorn auf den Betrachter wirft.

"Flieger" (Armada)

Armada“:

Achtzehn „FLIEGER“ schwingen leicht über Kopfhöhe im Luftraum des Krafftschen Hofes. Jeder Flieger ist von vier Ventilatoren angetrieben. Die Flieger haben links und rechts an den Flügelenden rote Positionslichter, die im Rhythmus des vor- und zurück aufleuchten. Durch das kollektive, gleichgeschaltete Schaukeln erhält die Auf- und Abbewegung der Lichtkegel etwas Suchendes und teilweise Blendendes. Nach einer Phase des Schwingens folgt eine Zeit mit Dauerlicht und Dauerbrummen der Ventilatoren, bevor ein Intervall Stille eintreten lässt, während der die Flieger auspendeln.

"Flieger" (Armada)

Bodenpersonal“ (Detailansicht):

In einer Nische des Hofs befinden sich eine völlig andersgeartete Gruppe von Nimrods, die mitunter Kabelzuträger und damit Helfer und gleichzeitig potentielle Opfer sind: teilweise liegend, teilweise fragmentiert. Nimrod-boxes formen eine Art von Stadtmauer und Türme, viele Seitenwände liegen aber geworfen und wirr übereinander. Die roten LED-Spots blinken im Rhythmus der Flieger-Armada. Der sprichwörtliche Nürnberger Trichter taucht vereinzelt auf, teils in seiner trichterförmigen Funktion, teils als Kopfbedeckung, an mittelalterliche Spitzhüte zur diffamierenden Kennzeichnung für Juden erinnernd. Auf zwei Figuren auf der „Stadtmauer“ und der Wand im Hintergrund sind Begriffe fragmentiert projiziert, die aus der Unschärfe auftauchen, zu verschiedenen Zeiten den Schärfepunkt durchlaufen und wieder in unbestimmten hellen Lichtkonzentrationen rhythmisch abtauchen: mit einiger Mühe lässt sich der in Fraktur (Schwabacher Judenlettern) geschriebene Satz „Die Schande von Nürnberg“ entziffern. Von Julius Streicher wurde er im August 1939, Monate vor der „Kristallnacht“, auf die Nürnberger Synagoge bezogen, welche nach dem Abriss endlich und für alle Zeiten beseitigt wäre.

"Bodenpersonal" (Detail)











Ausschnitt aus: Süddeutsche Zeitung, 9.5.2005


"Luftgeschaeften" (Stadthaus Ulm, 2005)

Installation auf dem Dach des Stadthauses anlässlich der Ausstellung „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal genannt”

"Luftgeschaeften" (Stadthaus Ulm, 2005)

Installation auf dem Dach des Stadthauses anlässlich der Ausstellung „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal genannt”

"Luftgeschaeften" (Stadthaus Ulm, 2005)

Installation auf dem Dach des Stadthauses anlässlich der Ausstellung „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal genannt”

 

Luftgeschaeften“ ist ein Begriff, der nicht nur uns bekannt, sondern auch in Israel als jiddischer Begriff in alltäglicher Verwendung ist, z.B. für Schwätzer oder als Titulierung für wenig Ernsthaftes, auf das man sich nicht verlassen kann, auf nichts Seriöses – für Luftschlösser etwa, oder für „heiße Luft“.

Für uns ist es ein schillernder Begriff, mit Luftnummer und Luftbuchung verwandt, etwas Sinnloses, wo nichts dabei herauskommt, auch mit einer Neigung zur Trickserei und Betrug – laut Duden ein „vorgetäuschtes, fingiertes Geschäft“.

Ein antijüdischer Reflex?

Das fehlerhafte Ausländerdeutsch hat in Zeiten von Rechtschreibreform und Regelirritationen seine Berechtigung und verweist auf eine ironische Brechung durch die Künstler. In Bezugnahme auf ihre Installation im Rahmen der Mesmer-Ausstellung sind die Anspielungen von Illi + Galkin vieldeutig: einerseits auf den ökonomischen Wahnsinn des Ich-AG-Künstlers und die Brotlosigkeit von Kunst (von den blue chips abgesehen); andererseits bezieht sich der Titel auf den häufig belächelnden Blick von außen auf die scheinbar nutzlose, ja bisweilen närrische Tätigkeit des Künstler, zu der sicherlich eine gute Portion Verrücktsein gehört – dieser Blick wird Mesmer oft ins Innerste getroffen haben.

Der Bezug zu Mesmer ist vielfältig, sowohl der Erfinder- wie auch der Künstleraspekt wird aufgenommen, natürlich auch die verschiedenen Dimensionen des Fliegens (Freiheit, Menschheits-Traum, Eskapismus, Schwerkraft, Gefahr, Tüfteln, Spieltrieb, „Kind im Manne“ etc.pp).

Luftgeschaeften“ könnte aber auch den Künstler-Blick auf das wahnhafte Treiben oder Getriebensein des Ottonormalverbrauchers ausdrücken. Durchaus selbstironisch sprechen Illi + Galkin deshalb gern von ihren Luftgeschaeften. Ist nicht alles Irdische Schall und Rauch? In diesem alttestamentarischen Bezug scheint das gewaltige Ulmer Münster auf. Gerade angesichts dieses steingewordenen religiösen (Macht-)Anspruchs und Bedürfnisses muss man an den Turmbau von Babel als Symbol menschlicher Hybris denken. Apropos Babel: Nimrod, der große Jäger und Held, war mit seinen Untertanen der Erbauer des babelschen Turmes.

Ironie der Geschichte ist, dass Galkin diesen Heroen, der in der Hochzeit des Zionismus als Held wiederentdeckt wurde und künstlerische Verwendung fand, Ende der 80iger Jahre für sich neu entdeckte und mit seinem Selbstportrait verschmolz. Dies entspricht seiner persönlichen Identitätssuche, jedoch transformiert er diese archaisch-ideologische Heldenfigur um in einen Antihelden, in einen „Mann des Friedens“. Galkin bricht mit seiner in dieser Beziehung lächerlichen, 35cm großen PVC-Puppe mit dem alttestamentarischen und zionistischen Heldenmythos.

Anders der Nazi-Engel im Ulmer Münster, der zwar einen hebräischen Namen trägt, aber ansonsten germanisiert wurde: seine theatralische und kämpferische Geste ist zum Bersten voll heldenhaft-arischem Pathos, die sich zum Swastika-Fragment formt. Wunderbar passend deshalb der Name des Erzengels: Mi-cha-el - wörtlich „wer ist wie Gott“. Dies ist, neben Mesmer, die andere Bezugsfigur von „Luftgeschaeften“.

Luftgeschaeften“ reflektiert die luftige Beschäftigung der Künstler, die sich wörtlich und metaphorisch im Luftraum tummeln. Vielleicht gibt es noch UFO-Alarm in Ulm, inspiriert durch Schneider, Spatz und Einstein?

"Luftgeschaeften"

Erprobung während dem Aufbau / Test during installation