Katarakt

Die Katarakt [ˌkataˈʁakt] oder der graue Star bezeichnet eine Trübung der Augenlinse..., im fortgeschrittenen Stadium kann man die graue Färbung hinter der Pupille erkennen, woher sich die Bezeichnung grauer Star ableitet.

Hauptsymptom ist ein langsamer, schmerzloser Verlust der Sehschärfe (Visus)... Es kommt zu Verschwommensehen und zunehmender Blendungsempfindlichkeit, da durch die Linsentrübung eine diffuse Lichtbrechung erzeugt wird. Ebenfalls reduziert sich die Wahrnehmung von Kontrasten, sodass die Patienten ihre Umwelt „wie durch einen Nebel“ wahrnehmen.

In der Antike nahmen die Menschen an, bei der Entstehung des grauen Stars würden (im Sinne der hippokratisch-galenischen Viersäftelehre) Substanzen hinter der Pupille herabfließen, da der Seheindruck des Betroffenen einem Blick durch einen herabstürzenden Wasserfall glich. Der Begriff Star ist bereits im 8. Jahrhundert im Deutschen vorhanden und bezieht sich auf die „Erstarrung“ der eingeflossenen Masse, die dann durch eine Operation geheilt werden kann.

(Quelle u.a. aus Wikipedia)

 

Obermajdan, Foto aus dem Treblinka-Prozess, 30x40cm, 2014
Obermajdan, Foto aus dem Treblinka-Prozess, 30x40cm, 2014

„Ober-Maidan“ (Historisches Foto aus dem Treblinka-Prozess von 1964), 2013, Aktenmappe, 30x40cm

 

Mich interessiert die „freiwillige Blindheit“ der Angeklagten, die ihr Angesicht hinter Händen, Papieren, Akten o.ä. verbergen. Hier ergeben sich Zusammenhänge zu ihrer Blindheit als Täter, zu ihrer Weigerung zu Sehen, zu Denken, zu Verstehen.

Die Bildabdeckung durch die Aktenmappe verweist auf das zunehmende Entschwinden der Erinnerung, auf schleichende individuelle wie kollektive Amnesie. Indem der Betrachter selbst die Aktenmappe in die Hand nehmen und zwecks Erkenntnisgewinn anheben muss, muss er sich teils auf die Täter-, teils auf die Opferebene begeben. Es entstehen Fragen nach Identität.

„Ober-Maidan“ war der Tarnname für Treblinka. Die Opfer mussten Karten für diesen Zielbahnhof lösen - Gerüchte über die Hölle von Treblinka hatten sich schnell in ganz Polen verbreitet.

Die Arbeit gehört in die Bildserie „Katarakt“ (med. Begriff für den Grauen Star, die Trübung der Augenlinse).

Auf diesen Grauen Star hin muss sich jeder selbst untersuchen.

Das Foto zeigt die Eröffnung des ersten Treblinka-Prozesses vor dem Landgericht Düsseldorf am 12.10.1964 (Quelle: picture-alliance, Bild-Nr. 47105408).

Auf der Anklagebank von links (in Klammer Urteile vom 3.9.1965):

Kurt Hubert Franz (Lebenslang), Otto Stadie (7 Jahre), Heinrich Matthes (Lebenslang), Willi Mentz (Lebenslang), August Miete (Lebenslang), Franz Suchomel (6 Jahre) und Gustav Münzberger (12 Jahre).

 

„Ober-Maidan“ (historic photo from the Treblinka trial from 1964), 2013, folder, 30x40cm

 

I am interested in the "voluntary blindness" of defendants who hide their faces behind their hands, papers, or folders. There are links to their blindness as perpetrators, their refusal to see, think, and understand. Covering the picture with a briefcase fefers to the increasing disappearance of memory., to a creeping individual and collective amnesia. Because the beholder needs to lift the cover in order to gain knowledge. s/he moves partly to the level of the perpetrator, and partly to that of the victim. Questions of identity are raised.

"Ober-Maidan" was the code name for Treblinka. The victims had to buy tickets for this train station - rumors about the hell of Treblinka had quickly spread all over Poland. The work is a part of the series "Katarakt" (cataract - clouding of the eye lens).

The photograph shows the opening of the first Treblinka trial at Düsseldorf district court on October 12, 1964 (photo credit: picture-alliance, Bild-Nr. 47105408). In the dock from left (the verdicts passed on Sept 3, 1965 in parenthesis):

Kurt Hubert Franz (life sentence), Otto Stadie (7 years), Heinrich Matthes (life sentence), Willi Mentz (life sentence), August Miete (life sentence), Franz Suchomel (6 years) und Gustav Münzberger (12 years).