eeln Silvesternacht"

E-Werk Freiburg, Galerie I

 

Die lärmige Installation "Köln Silvesternacht" befindet sich über Eck an zwei  Wänden des Raumes.

Gegenüber befindet sich die stille, von hinten agierende Installation "MeToo".

Beides gehört nicht nur in der Ausstellung zusammen.

 

See "MeToo" on this website

 

Es gibt extrem laute Ablaufprogramme, naturgemäß wenn alle zusammen agieren - je länger diese Phasen andauern, desto unerträglicher werden sie. Bestünde die Installation nur aus solchen Zumutungen und akustischen Provokationen, würde vermutlich kaum jemand die visuelle und akustische Auseinandersetztung mit der Arbeit suchen. Man muss durch den Bodenschalter zwangsläufig nah herangehen, sich in deren Mitte begeben, um eine Aktion auszulösen, wobei man als Auslösender zum Mitakteur wird. Es gibt jedoch auch stillere Phasen, wo nur einzelne Akteure saugend sich aufblasen und ihre lächerlichen männlichen Imponierspielchen miteinander treiben. Diese Elemente des Gesamtprogramms sind die "verführerischen", hinterlistigen Teile des Ablaufprogramms, die in den Raum locken und ein Verweilen erleichtern.

Aus berufenem Munde ist gesagt worden, die Installation sei verharmlosend, die Wirklichkeit sei sehr viel schlimmer gewesen.

Wie aber könnte eine künstlerische Arbeit nicht verharmlosend sein? Natürlich ist sie das, genauso kann man ihr zurecht Ästhetisierung des Grauens vorwerfen.

Der Horror der Realität, das Ungehobelte und Barbarische kann m.E. naturgemäß nicht durch Kunst wiedergegeben werden. Wie sollte das denn aussehen? Kunst kann aber durch List, Humor und Galgenhumor, Ironie und Witz einen Zugang zum Thema schaffen, Türen zu einem ungestaltbaren, unansehnlichen, verabscheuenswürdig unmenschlichen Geschehen für die Vorstellungskraft des Betrachters / der Betrachterin öffnen.

Sie kann vordergründig verführerische Elemente, Schönheit, sogar Unterhaltungswert besitzen und dennoch mit ihrer Vieldeutigkeit und Offenheit zum Nachdenken und Nachfragen anregen.

Im Ausstellungsraum liegt eine Art Tagebuch aus, in das Besucher/Innen ihr Feedback, ihre Gedanken und Ideen eintragen können.

Ebenso liegt ein Dokumentenordner aus, in dem sich Zeitungsartikel zu den beiden Themenbereichen befinden. Das, was Kunst nicht kann, im Detail informieren und differenzieren, wird hier für die interessierten Besucher/Innen bereitgestellt.

Eröffnung 6.4.2018

Eröffnung 6.4.2018

Eröffnung 6.4.2018

Der ideale Moment, um als individueller Besucher einzutreten, ist Stille. Kein Vorbesucher ist im Raum und hat die Installation durch Tastendruck bereits gestartet.

Betätigt man den Bodentaster, bricht ein Sturm los.

Der Geräuschpegel ist extrem (bei diesem Programmelement, in dem alle gemeinsam agieren).

Ein weiterers Ablaufprogramm, durch erneutes Drücken des Bodentasters zu aktivieren:

Die "linken Säcke" weisen den rechten Weg nach links...

Die "rechten Säcke" weisen den rechten Weg nach rechts...

"Progress" versucht, seinem Namen alle Ehre zu machen - und versteht sein eigenes Totalversagen nicht.

"Privileg" als cheerleader? Da kann höchstens noch "Pussyhat" konkurrieren.

Wer so auffällt, ist schnell Rädelsführer.

Dieser "Vampyrette de Luxe" ist vorbildlich und sein langes Saugrohr besonders Eindruck heischend. Er antizipiert sein Schicksal und trägt bereits Sträflingskleidung. Mein Liebling - er ahnt zumindest, wo er hingehört. Aber schön wärs: Leider hat ja die Exekutive in der Kölner Silvesternacht vollständig versagt. Es gab kaum Festnahmen und erkennungsdienstliche Behandlingen, und wohl so gut wie keine Verurteilung (mangels Beweisen). Die über 2000 Täter kamen ungeschoren davon.

1210 Strafanzeigen stehen mittlerweile 36 Verurteilungen ( wozu?) gegenüber. 

Stalin samt superaggressivem Schlund ist auch gegenwärtig (dank dem DDR-Sauger "Steppke").

Der kleine, elegantstumpige "Royal" ist vielleicht durch Gruppenzwang verführt worden und macht auch mit, aus dem "Menage a Deux" (siehe nächstes Foto) ist in Freiburg zeitweilig ein Dreiecksverhältnis geworden. 

In dieser Phase darf das kleine royale Dickerchen noch mitspielen (ein weiteres separates Programmelement).

Aber jetzt, wo es zur Sache geht und es zu realen Berührungen kommt, muss er leider draußen bleiben. Homoerotik war sicher nicht das Problem in jener Nacht. Und doch ist es denkbar, ja wahrscheinlich, dass die Täter durchaus freundschaftlich miteinander umgehen. Homosexualität ist auch eine Fluchursache, aber, soweit bekannt gab es aus dieser Flüchtlingsgruppe keine Angriffe. Opfer waren ja bekanntlich Frauen und Mädchen.

Dieses kapitale Bürstchen hat doch was? Die Männerfantasie meint hier ein weiblich verschlingendes oder zumindest erotisches Element zu entdecken. Das Objekt der Begierde nicht nur in jener Nacht.

Aber es befindet sich an diesem grotesk überlangen, androgynen Rüssel... Die Technik des Staubsaugens scheint nicht bemüht um logische Widerspruchslosigkeit in diesen menschlichen Dingen.

Dass hier der kleine Muck mit von der Partie ist, überrascht doch alle Fans von 1001-Nacht.

 

Folgende Fotos:

Finissage am 6.5.2018